Kleinbahn Durmersheim - Karlsruhe - Spöck:   's Lobberle

Geschichte der Lokalbahn Karlsruhe - Durmersheim

's lobbert, sagt man in Durmersche, wenn etwas wackelt und nicht fest sitzt.

 

Es dürften nur noch wenige ältere Leute in Durmesheim und Umgebung sein, die sich an "die gute alte Zeit" zurückerinnern können, als das "Lobberle", wie es liebevoll genannt wurde, von Durmersheim nach Karlsruhe fuhr.

 

1843

Bereits 1843 wird im technik- und fortschrittsfreundlichen Großherzogtum Baden die Eisenbahnlinie Heidelberg - Karlsruhe eröffnet ...

 

1844

... und am 01. April 1844 über Ettlingen-Malsch-Muggensturm nach Rastatt verlängert.

 

1880

Die Geschichte des Lobberle beginnt anfangs der 80er Jahre des 19. Jhdts., als von den oberen und unteren Hardtgemeinden, die damals weitab jeder Eisenbahnverbindung liegen, mit großem Nach- druck der Wunsch geäußert wird, eine unmittelbare Verbindung in die Residenzstadt Karlsruhe zu er- halten. Auch die Stadt Karlsruhe unterstützt diese Bestrebungen, da sie im Bau einer solchen Bahn die Stärkung des Verkehrs zwischen Stadt und Land und einen für alle Teile günstigen Ausgleich der wirtschaftlichen Interessen sieht.

 

1885

Nachdem von privater Seite aus eine im Sommer 1885 ins Leben gerufene Pferdeomnibuslinie Karls- ruhe - Durmersheim nur wenige Monate lang betrieben werden kann, nehmen mehrere Hardtge-meinden energische Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Karlsruhe auf. Schwierigkeiten bereitet vor allem die Finanzierung des Projekts.

 

Der ursprüngliche Plan sieht vor, durch die zu errichtende Bahn eine Verbindung der oberen Hardtge-meinden Forchheim, Mörsch, Durmersheim, Bietigheim und Ötigheim mit der Landeshauptstadt Karls- ruhe und der Festungsstadt Rastatt zu schaffen und gleichzeitig auch die unteren Hardtgemeinden Hagsfeld, Büchig, Blankenloch, Stutensee, Friedrichstal und Spöck mit der Residenz Karlsruhe zu ver- binden.

 

1888

Weitere Verhandlungen erreichen, dass das Badische Eisenbahn-Konsortium (Generalunternehmer Fa. Bachstein, Berlin - Bank für Handel und Gewerbe, Darmstadt - Rheinische Kreditbank, Mannheim  - Fa. Ladenburg & Söhne, Mannheim) die Finanzierung des Bahnbaues übernimmt. Somit kann das Pro- jekt der Bahnlinie Spöck-Hagsfeld-Karlsruhe-Grünwinkel-Durmersheim am 11. Dezember 1888 be- kanntgegeben werden.

 

Nachdem die infrage kommenden Gemeinden (mit Ausnahme von Bietigheim und Ötigheim, mit denen keine Einigung erzielt werden kann) die für den Bau notwendigen Flächen unentgeltlich zur Verfü- gung stellen, erhält die Fa. Bachstein (Berlin) den Auftrag zur Erstellung der Bahnanlagen.

An die Geländeabtretung haben die Gemeinden aber die Bedingung geknüpft, dass der Boden wieder an sie zurückfallen solle, wenn er für einen Bahnbetrieb nicht mehr benützt werde.

 

1889

Die behördliche Konzession wird durch Entschließung des Bad. Staatsministeriums vom 18. Novem- ber 1889 erteilt.

 

1889/90

Der Bahnbau wird in den Jahren 1889/90 ausgeführt, von Durmersheim im Süden über Mörsch, Forchheim, Grünwinkel nach Karlsruhe und von da weiter über Hagsfeld nach Norden bis Spöck.

Die Gesamtlänge beträgt 31 km, die Teilstrecke Durmersheim-Karlsruhe 15,8 km. Die Gleise wurden in Meterspur gebaut.

 

1890

Am 01. Oktober 1890 wird die Strecke Durmersheim-Karlsruhe feierlich eröffnet. Die Schuljugend von Durmersheim und Würmersheim darf beim ersten Mal umsonst mitfahren. Die Freude ob dieser neuen Errungenschaft ist allgemein groß. Am Abend findet im Gasthaus "Zum Hirsch" in Durmersheim ein gemeinsames Festessen statt, bei dem einige Reden zum Wohle der neu eröffneten Bahn gehalten werden.

 

Die Bahn bedeutet damals nicht nur für die Hardtgemeinden sondern auch für die abseits gelegenen Orte Würmersheim, Elchesheim, Illingen, Au am Rhein und Neuburgweier eine gewaltige Verkehrs-verbesserung. Denn die Landbevölkerung kennt zur damaligen Zeit außer dem Pferde- oder Kuhfuhr- werk keine anderen Verkehrsmittel.

 

Die Bahnlinie verläuft von Durmersheim durch die Speyerer Straße, dann östlich entlang der alten Bun- desstraße B36, überquert diese kurz vor Mörsch und führt durch Mörsch und Forchheim, überquert bei der heutigen Messe Karlsruhe erneut die Straße, durchzieht Grünwinkel und läuft durch die Krieg-straße zum Lokalbahnhof beim damaligen Hauptbahnhof, der bis 1913 nahe der Stelle des heutigen Staatstheaters steht.

Ab 1932 ist für die Durmersheimer Strecke die Endstation beim alten Gasthaus "Kühler Krug".

 

1895

Als am 01. Mai 1895 die "strategische Bahn" Graben-Karlsruhe-Durmersheim-Rastatt-Röschwoog er- öffnet wird, erleidet die Lokalbahn empfindliche wirtschaftliche Einbußen, da diese neue Staatbahn- linie weitgehend parallel verläuft.

In den folgenden Jahren hat die Bahn, die inzwischen (1897) von der Süddeutschen Eisenbahnge-sellschaft (SEG) auf die Stadt Karlsruhe übergegangen ist, laufend mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wenn auch während des Ersten Weltkrieges die Zahl der Fahrgäste wieder ansteigt, müssen in den darauffolgenden Jahren immer wieder Zuschüsse durch die Stadt Karlsruhe geleistet werden, zumal die Kleinbahn in erster Linie dem verbilligten Arbeiterverkehr dient.

 

1906-1913

Der neue Karlsruher Hauptbahnhof wird gebaut.

 

1917

Die Lokalbahn geht in den Besitz der Stadt Karlsruhe über.

 

1922

Wegen Unrentabilität wird ab 01. Januar 1922 die Teilstrecke Nord von Karlsruhe nach Spöck abge- baut. Zwischen Durmersheim und Karlsruhe aber dampft das "Lobberle" oder der "Entenköpfer", wie die Bahn oft genannt wird, mit ihren olivgrünen Wagen durch Korn- und Kartoffeläcker weiter dahin. Treu und brav, wenn auch manchmal mit etwas Verspätung weil nämlich eine Herde Gänse oder sonstiges Kleinvieh auf den Gleisen herumspaziert, bringt sie die vielen Arbeiter zu ihren Arbeits-plätzen nach Karlsruhe, während der Kriegs- und Nachkriegsjahre die Stadtmenschen zu Hamster-fahrten aufs Land und auch zahlreiche Wallfahrer nach Bickesheim.

 

1929

1929 muss das gemütliche Dampfbähnle der modernen, schnelleren und deshalb rentableren "Elek-trischen" weichen.

 

1932

Der Lokalbahnhof in der Kapellenstraße wird stillgelegt. Ab sofort ist am "Kühlen Krug" Endstation der "Kleinbahn Karlsruhe".

 

1936/37

Durch den immer mehr zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr erhält die Bahn eine steigende Konkur- renz. Die Stadt Karlsruhe sieht sich schließlich außerstande, das jährlich steigende Defizit alleine zu tragen.

Da auch die Anliegergemeinden infolge ihrer schwachen Finanzlage keine Geldmittel beisteuern kön- nen, fasst man den schwerwiegenden Entschluss, die Lokalbahn stillzulegen.

Am 26. April 1936 fährt die letzte Bahn von Durmersheim nach Mörsch. Die Verbindung Mörsch- Karlsruhe wird am 14. August 1937 eingestellt. So endet die 47jährige Betriebszeit der Lokalbahn.

Der Arbeiterverkehr wird anschließend von der neu errichteten Kraftpostlinie übernommen.

 

1955

Während in der Folgezeit die Gleise und Schuppen abgebaut werden, steht der alte Lokalbahnhof Dur- mersheim noch bis zum August 1955. Dann muss er dem Neubau des Rathauses weichen, das auf dem zentral gelegenen alten Bahnhofsgelände errichtet wird.

 

1991

Am 30. November 1991 startet die S2 ihren Fahrbetrieb von Karlsruhe nach Mörsch. Dort enden die Gleise, eine Anbindung von Durmersheim an diese Stadtbahnlinie erfolgt nicht.

 

 

 

 

 

 

 

Was geschah am 26. April 1936?

 

Nur wenige Durmersheimer dürften sich an die Ereignisse vom 26. April 1936 erinnern. Denn an die- sem Tag vor gut 80 Jahren endete in Durmersheim ein Stück lokale Eisenbahngeschichte:

Der letzte Zug der Lokalbahn Durmersheim - Spöck, im Volksmund "Lobberle" genannt, verließ an diesem Tag den Lokalbahnhof Durmersheim, die Strecke Durmersheim - Mörsch wurde daraufhin we- gen Unrentabilität stillgelegt.

 

45 Jahre lang fuhr das Lobberle als Nahverkehrsmittel von Durmersheim in die badische Hauptstadt, brachte täglich Männer und Frauen zur Arbeit nach Karlsruhe und wurde für den Gütertransport ein- gesetzt.

 

In Durmersheim führten die Gleise vom Lokalbahnhof durch die Speyerer Straße und dann entlang der Landstraße durch Mörsch und Forchheim in die Karlsruher Innenstadt.
 
Im Hardtmuseum erinnert eine kleine Ausstellungsecke an die ehemalige Lokalbahn, und bei unserem Jubiläumsabend anlässlich unseres 25-jährigen Vereinsjubiläums am 4. Juni 2016 im Bürgersaal stand die Vorläuferin der heutigen Stadtbahnlinie S2 im Mittelpunkt. Dabei können wir auch einen Originalfahrplan von 1919 präsentieren.
 
Willi Coerdt vom Arbeitskreis Heimatpflege hat in seinem Festvortrag anlässlich unseres 25jährigen Jubiläums das Lobberle wieder aufleben lassen.

Von ihm stammt auch das leider vergriffene Buch "Das Lobberle - Die Geschichte einer kleinen Eisen- bahn 1890-1937" (2005).