Schriften zur Ortsgeschichte

In den letzten 100 Jahren wurden mehrere Ortschroniken verfasst, die wir hier vorstellen und kom- mentieren wollen.

 

 

1.  Benedikt Schwarz:  Durmersheim - Ortsgeschichtliche Stoffe (1902)

 

Im Jahr 1902 schreibt Benedikt Schwarz im Auftrag der Gemeinde Durmersheim seine inzwischen ver- griffene Chronik, die 98 Seiten umfasst.

 

Hauptlehrer Benedikt Schwarz (1862 - 1926) war für mehrere großherzogliche Amtsbereiche (1901 - 1914 auch für den Amtsbezirk Rastatt) Pfleger der Badischen Historischen Kommission.

 

Er verfasste für viele Gemeinden ortsgeschichtliche Chroniken, in unserer Raumschaft neben Dur- mersheim auch für Mörsch, Malsch, Grünwinkel und Ettlingen.

In Ettlingen wurde 1977 auch eine Straße nach ihm benannt.

 

In seiner Chronik findet man detaillierte Angaben zu verschiedenen Ortsbeschreibungen (das sind sogenannte Renovationsberichte mit Güter- und Besitzverzeichnissen), aus denen sich Einblicke in das dörfliche Leben des späten Mittelalters ergeben.

 

Schwarz listet die damals bekannten Flur- und Gewannnamen mit sprachlichen Erklärungen auf und widmet sich auch ausführlich der Rohrburg am Zusammenfluss von Schmied- und Federbach im Tief- gestade.

 

Da er für unsere Nachbargemeinde Malsch ebenfalls eine Ortschronik verfasste, kommt auch der zwi- schen Durmersheim und  Malsch liegende Hardtwald ausführlich zur Sprache. Schwarz führt inter- essante Begebenheiten auf, aus denen die über Jahrhunderte anhaltenden Grenz- und Nutzungs- streitigkeiten zwischen den beiden Dörfern verfolgt werden können.

 

Obwohl die Chronik von Benedikt Schwarz nicht in Kapitel gegliedert ist und eher in Erzählform die verschiedenen Themenbereiche aneinanderreiht, lässt sie sich auf Grund ihrer Informationsfülle kurz- weilig und unterhaltsam lesen.

 

Benedikt Schwarz hatte verwandtschaftliche Beziehungen nach Würmersheim, wo seine Schwester mit dem örtlichen Oberlehrer Schlager verheiratet war.

 

 

2.  Franz Neumaier:  Der Marktflecken Durmersheim in Vergangenheit und Gegenwart (1938)

 

Franz Neumaier (1878 - 1956) stammte aus Waldprechtsweier. Von 1926  bis 1952 war er katholi- scher Pfarrer und Geistlicher Rat in Durmersheim.

Nach ihm wurde in Durmersheim die Franz-Neumaier-Straße benannt.

 

1938 veröffentlicht er seine noch heute in vielen Familien präsente Chronik als ein "Heimatbuch mit 160 Seiten, 4 Kunstdruckeinlagen, 5 Illustrationen und Text."

 

Neumaier macht zwar zu seinen Ausführungen keine direkten Quellenangaben, verweist aber in seiner Literaturliste neben Akten des Generallandesarchives Karlsruhe auch auf Vereinsunterlagen, Akten des Gemeindearchives und der Pfarrei sowie auf verschiedene Zeitschriftenartikel und Bücher, darunter auch auf das von Benedikt Schwarz, aus dem er sich dann auch reichlich und umfangreich bedient hat.

 

Erwähnenswert ist, dass Franz Neumaier in seinem Buch erstmals "D' Bärejagd vun Durmersche" ver- öffentlicht, von der wir Durmerscher bis heute unseren Spitznamen „Bäredriewer" herführen.

 

Ebenso findet sich in seiner Chronik das Durmersheimer Heimatlied "Sehnsucht - Dort wo der Feder- bach mit seinen Wellen", das 1914 in New York von dem sicherlich heimwehgeplagten Durmershei- mer Auswanderer Franz Denninger gedichtet wurde.

 

Dazu passt auch, wie Neumaiers Werk mit verklärten Worten ganz im Sinne eines "Heimatbuches" en- det:

 

"Ist es nicht ein erhebendes Gefühl, beim Frührot der aufgehenden Morgensonne, oder in der feierlichen Stille der Abendglut, den Blick über die heimatlichen Gefilde schweifen zu lassen, das große Dorf und seine fleißigen Bewohner zu bewundern, die fruchtbare Ebene mit dem wogenden Ährenfeld anzustaunen?

 

Ganz unwillkürlich entspringen die Worte  der hochgeschwellten Brust:

O Heimat, teure Heimat, da ich den Durst und Atem deiner Wälder spüre, die Pracht und Freiheit der Natur, den tiefen Frieden deiner Abendglocken, jetzt empfinde ich aufs neu beglückten Herzens, was ich in schicksalvollen Stunden meiner Lebenswanderung nur mit allzugroßem Seh- nen einst gefühlt:

 

Wie weit ich auch gewandert in der Welt umher,

Wie die Heimat, so findest du kein Plätzchen mehr!"

 

 

3.  Fritz Schlick/Rudi Kistner: Durmersheim in Vergangenheit und Gegenwart  (1980)

 

1980 feierte die katholische Pfarrkirche St. Dionys ihren 150. Geburtstag. Sie ersetzte die bereits 1473

erbaute alte Pfarrkirche, deren Standort im Pfarrgarten des Pfarrhauses in der Römerstraße lag.                 

 

Zu diesem Kirchenjubiläum veröffentlichte der Durmersheimer Heimatforscher Fritz Schlick zusam- men mit Pfarrer Rudi Kistner eine weitere Chronik. Mit ihr wollten sie die lokale Geschichte ab 1938, dem Erscheinungsjahr der Chronik von Pfarrer Neumaier, bis 1980 fortschreiben.

 

Die Chronik besteht aus zwei Teilen.

Teil 1 ist der Faksimile-Nachdruck der alten Chronik von  Pfarrer Franz Neumaier.

Deren Titel "Durmersheim in Vergangenheit und Gegenwart" wurde auch für das neue Werk über- nommen.

 

In Teil 2 werden die örtlichen Geschehnisse zwischen 1938 und 1980 schwerpunktmäßig unter dem Blickwinkel der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinden aufgenommen.

 

Da seit der Verwaltungsreform 1973/74 auch Würmersheim als eingemeindeter Ortsteil zu Dur- mersheim gehört, wird auch die Würmersheimer Geschichte aufgegriffen.

Zu den von Fritz Schlick in seinen Nachforschungen besonders intensiv untersuchten Themen ge- hören die verschiedenen Auswanderungswellen, vor allem die nach Russland, wohin Fritz Schlick auch persönliche Verbindungen zu Schlick-Familien und deren Nachkommen pflegte.

 

Vervollständigt wurde das Werk durch einen separaten (blauen) Bildband mit historischen Aufnah- men von Ort und Leuten.

 

 

4. Fritz Schlick/Dieter Bertsch:  Ortsbeschreibungen (1980)

 

Zusätzlich hat Fritz Schlick zusammen mit Dieter Bertsch vom Ortsbauamt Durmersheim einen Er- gänzungsband mit Ortsplänen und "Ortsbeschreibungen" des 18. und 19 Jahrhunderts mitgeliefert.

 

 

5. Fritz Schlick:  Durmersheim und Würmersheim

                          100 Jahre Ortsgeschichte 1850 - 1950  (1989)

 

1989 setzte Fritz Schlick seine Heimatbuchausgabe von 1980 und 1981 mit diesem Band fort.

 

Er beleuchtet die Geschichte von Durmersheim und Würmersheim in der Zeit 1850-1950 und greift dabei hauptsächlich auf Unterlagen aus den Gemeindearchiven zurück.

 

Das Buch bietet auf 224 Seiten eine Zusammenstellung verschiedener Themenblöcke, die Fritz Schlick im Laufe seiner jahrzehntelangen ortsgeschichtlichen Spurensuche erarbeitet hat.

 

 

6. Gemeinde Durmersheim/Arbeitskreis Heimatpflege Durmersheim e.V./Staatliches Schulamt Ba- den-Baden:    Festschrift zur Ortsgeschichte:  991 thurmaresheim - 1991 Durmersheim

 

Im Jahr 1991 feierte die Gemeinde Durmersheim das 1000jährige Jubiläum ihrer namentlichen Erster- wähnung. Zu diesem Anlass wurde vom Arbeitskreis Heimatpflege im Auftrag der Gemeinde eine Festschrift herausgegeben.

 

Kooperationspartner war das ehemalige Staatliche Schulamt Baden-Baden (heute Staatl. Schulamt Ra- statt-Freudenstadt), das damals zu verschiedenen Orten die Schriftenreihe "Fundamentum zur Orts- geschichte" initiierte, mit der Heimatgeschichte vermehrt in die unterrichtliche Arbeit der Schulen ein- gebunden werden sollte.

 

In dieser nach wie vor erhältlichen Festschrift veröffentlichen verschiedene Autoren Aufsätze zu The- men der Durmersheimer Ortsgeschichte.

 

 

7. Martin Burkart:  Durmersheim - Die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner (2002)

 

Warum Martin Burkart auf die bis dahin vorliegenden Ortschroniken 2002 eine weitere umfangreiche Chronik folgen ließ, wird allein schon durch das Inhalts- und Literaturverzeichnis deutlich.

 

Auf 448 Seiten beschreibt er sachlich und wissenschaftlich fundiert die Durmersheimer Geschichte von den Anfängen bis ins frühe 20. Jahrhundert, genau gesagt bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Ihm verdanken wir klare Aussagen zu historischen Ereignissen und Fakten, die mit belastbaren Quel- lenangaben belegt werden.

 

Obwohl auch Martin Burkart die "Durmerscher Bärejagd" zitiert, ist er weit entfernt von der Neumai- er‘schen Heimattümelei.

 

Er räumt mit spekulativen Behauptungen seiner Vorgänger Schwarz und Neumaier gründlich auf, be- leuchtet die Namensgebung "Durmersheim" neu und entzaubert die nicht belegbaren Geschichten von der Pestkatastrophe in Durmersheim oder der in verschiedenen Traktaten der letzten Jahrzehnte zu lesenden angeblichen Kreuzzugspredigt von Bernhard von Clairvaux 1147 in Bickesheim.

 

Martin Burkart hat mit seiner Chronik das Standardwerk zur Durmersheimer Geschichte verfasst. Er greift natürlich auch Themen aus den vorangegangenen Büchern auf, liefert dazu aber eine gründliche Recherche und die dazugehörenden umfangreichen Quellenangaben und Querverbindungen.

 

Das Werk ist vergriffen, erfreut sich aber nach wie vor einer regen Nachfrage. Deshalb haben wir mit freundlicher Genehmigung des Autors die wichtigsten Kapitel der Chronik in der Abteilung

                    ORTSGESCHICHTE DURMERSHEIM > WISSENSWERTES AUS DER DORFGESCHICHTE

zum Nachlesen veröffentlicht.

 

Für Familien und Ahnenforscher bietet M. Burkart außerdem wertvolle Hilfen. Er hat die Durmershei- mer katholischen Kirchenbücher durchforscht und gibt in seiner Chronik für die in Durmersheim nachweisbaren Familiennamen interessante Herkunftshinweise. 

 

Zudem hat er die Ergebnisse seiner Familienrecherche in seinem mittlerweile ebenfalls vergriffenen "Ortsfamilienbuch Durmersheim" der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Das Ortsfamilienbuch Durmersheim ist auch digital benutzbar, siehe in unserer Linkliste.

 

 

8.  Josef Tritsch:  991 - 2016: 1025 Jahre Durmersheim, Wissenswertes zum Ortsjubiläum 2016

 

Zum 1025jährigen Jubiläum von Durmersheim hat Josef Tritsch eine knapp 100 Seiten starke reich bebilderte Broschüre erstellt, in welcher er den aktuellen Iststand der Gemeinde Durmersheim auf- zeichnet.

Daneben beleuchtet er "vom Aussterben bedrohte Durmerscher Besonderheiten", namentlich den Dia- lekt, die Gewannnamen und die Durmersheimer "Berge", also die mehr als 20 Übergänge, Straßen und Wege vom Hochgestade ins Tiefgestade.

 

9. Johannes Werner:  Würmersheim -Ein badisches Dorf im Wandel der Zeit

 

2008 hat Johannes Werner im Auftrag des Ortsteils Würmersheim eine Ortschronik verfasst. Sie be- schreibt die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert.

Umfangreiche Bilddokumentationen zu den verschiedenen Aspekten des dörflichen Zusammenlebens unterlegen dies.

Diese Chronik ist leider vergriffen.

 

 

10. Musikverein 1868 Durmersheim e.V.:  Durmersheimer Heimatfilm 1962

 

Keine Chronik im herkömmlichen Sinn aber dafür ein einmaliges Zeitdokument ist der 1962 vom Mu- sikverein 1868 e.V. Durmersheim gedrehte „Durmersheimer Heimatfilm“.

 

Der Blick zurück in die Vergangenheit zeigt das örtliche Leben vor über 50 Jahren.

Aufnahmen von längst verstorbenen aber auch noch von heutigen „Durmerscher Lidd“ und der Ge- schäftswelt der 1960er Jahre mit Industrie, Handel und Gewerbe vermitteln auf besondere Weise die Entwicklungen, die sich bis heute in Durmersheim vollzogen haben.

 

Dass an diesen Aufnahmen auch noch in heutiger Zeit großes Interesse besteht, wurde bei einem Filmabend deutlich, den der Arbeitskreis Heimatpflege Durmersheim im Jahr 2010 anlässlich des 500- jährigen Jubiläums des Bickesheimer Jahrmarktes im damals vollbesetzten Saal des Gasthauses Lamm veranstaltete.