Renovation 1763

Ein Zeitzeugnis der besonderen Art kann Durmersheim mit dem sogenannten "Renovationsplan von 1763" vorzeigen:

 

BLAN  ET  BRULION  De  Dorff   Durmersheim

fait  a  Rastatt  1763 

F. Nageldinger

 

Um 1400 begann in der Markgrafschaft Baden der Aufbau einer Staatsverwaltung mit den Anfängen einer geordneten Finanzwirtschaft zur Erhebung von Steuern.

Dazu wurden sog. "Ortsbereisungen" oder "Ortsbeschreibungen" sowohl von herrschaftlicher als auch kirchlicher Seite durchgeführt, in denen alle Besitzverhältnisse und die Ansprüche des Landesherren niedergeschrieben wurden.

 

In unregelmäßigen Abständen wurden diese "Ortsbeschreibungen" überprüft und auf den neuesten Stand gebracht, was in der damaligen Fachsprache als "Renovation" (Erneuerung) bezeichnet wurde. Heute würde man dies wohl "Update" nennen.

 

Die ältesten bekannten Renovationsprotokolle für Durmersheim stammen aus dem 16. Jahrhundert und wurden vom damals für Durmersheim zuständigen Amt Kuppenheim 1510, 1535 und 1579 ver- anlasst.

 

Die nächste und letzte bekannte amtliche Renovation stammt von 1763. In ihr wurden Grund und Boden exakt vermessen und beschrieben und zeichnerisch in einem Ortsplan und schriftlich in einem großen Verzeichnis in Buchform festgehalten.

 

Über den Vorgang der Renovation selbst gibt ein Tagebuch Auskunft, das sich im Generallandesarchiv Karlsruhe befindet und in dem ausführlich beschrieben ist "...welchergestalten ich der gnädigst angestellte Renovator und Protokollist Sebastian Krieg in dem Durmersheimer Bann zu Werk ge-gangen und was vor Geschäfte ich von Tag zu Tag vorgenommen habe."

 

Das Tagebuch beginnt am 8. August 1763, an dem der Geheime Rat und Hofratsdirektor Weiskirch und der Hofkammerrat Eichhorn als Kommissäre mit dem Protokollisten Krieg gegen 11 Uhr vormit-tags in Durmersheim auf dem Rathaus angelangten. Sie nahmen sofort  die Verpflichtung des Ober-feldmessers Werner und des Feldmessers Nageldinger sowie des Schultheißen und der 8 Urkunds-personen und der 2 Rutenschläger vor.

 

Neben der allgemeinen Beschreibung des Dorfes enthält die Renovation von 1763 auf 1299 Seiten eine genaue Beschreibung der im Ortsetter gelegenen Grundstücke, sowohl der bebauten wie der unbebauten, und aller Gewässer und Feldgrundstücke.

 

Das Dorf Durmersheim zählte damals 2 Kirchen, 1 Pfarrhof, 1 Rathaus, 1 Schulhaus, 1 Mühle und 1 Schloss (Rohrburg). Von den 254 Nummern der Dorfbeschreibung entfallen 146 auf Wohnhäuser. Die übrigen sind Küchen-, Gras- und Baumgärten. Von den Häusern waren 58 einstöckig, 52 eineinhalb-stöckig und 35 zweistöckig. Dreistöckig war lediglich das Schloss Rohrburg, das Pfarrhaus und der Hardthof.

Neben den Häusern wurden auch die in fast allen Fällen vorhandenen Scheuern beschrieben.

 

Dieses Buch kann als das ältesterhaltene Grundbuch der Gemeinde Durmersheim bezeichnet werden. Auf 1299 Seiten sind alle Gebäude, Gärten, Brunnen, Straßen und Gassen des bebauten Ortsetters so-wie die landwirtschaftlichen Grundstücke festgehalten und nach Größe und Art handschriftlich be-schrieben. Ebenso sind die aktuellen Besitzer und Besitzerinnen von 1763 aufgeführt.

 

Beide "Antiquitäten" befinden sich im Besitz der Gemeinde Durmersheim. Bis 2014 wurden die Ori- ginale im Hardtmuseum Durmersheim hinter Glas ausgestellt. Da der Zahn der Zeit (Lichteinwirkung, Eisenfraß durch die eisenhaltige und durchrostende Tinte) aber immer mehr an der Qualität der Expo-nate nagte, wurden diese 2014 aufwendig restauriert und spezialverpackt im Gemeindearchiv einge-lagert.

 

Im Zuge dieser Restaurierungen wurden beide Originale digitalisiert und originalgetreu kopiert. Diese Repliken sind heute weiterhin im Hardtmuseum zu sehen.

 

Der Plan von 1763 misst 2,02 m Länge und ist 0,54 m breit. Ein schwarz-weiß Faksimileabdruck kann beim AKH erworben werden (90 cm X 30 cm).   

 

Im Vergleich mit dem aktuellsten Ortsplan sind die in 250 Jahren erfolgten Veränderungen im Orts- etter Durmersheims deutlich sichtbar.

 

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Das zum Renovationsplan 1763 gehörende Grundbuch umfasst eine detaillierte Beschreibung des Or- tes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Weitere Informationen aus der Burkart-Chronik zum Ortsetter stehen unter ORTSGESCHICHTE DURMERSHEIM  >  WISSENSWERTES AUS DER DORFGESCHICHTE > ORTSETTER.

 

Interessant sind die Angaben zu den Gebäuden und Liegenschaften, vor allem aber das Verzeichnis der damaligen Besitzer und Besitzerinnen.

Alle aufgenommenen Stellen wurden im Plan und im Buch durchnummeriert und lassen sich so bei heutigen Recherchen nachvollziehen und zuordnen.

 

Ein interessanter Nebeneffekt:

Immer wieder melden sich beim Arbeitskreis Heimatpflege Nachkommen von Auswanderern aus Dur- mersheim. Diese suchen neben noch in Durmersheim lebenden Verwandten auch die ehemaligen Wohnstätten ihrer Vorfahren. Wenn ein 1763 in Durmersheim registrierter Vorfahre ermittelt werden kann, führt dies mit Hilfe des alten Grundbuches oft zum Auffinden des ehemaligen Wohnhauses oder zu der Stelle, wo dieses einst stand.

 

Auf den folgenden Bildern zeigen wir den in Farbe gehaltenen Plan von 1763 und eine Seite aus dem dazu gehörenden Grundbuch.

 

 

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