Warum Durmersheim "Durmersheim" heißt!

 

991-2016: 1025 Jahre Durmersheim!

Aber wie alt ist unser Ort wirklich?

Mit einem "Rechenfehler" fängt alles an!

 

Durmersheim erinnerte 2016 an sein 1025jähriges Jubiläum:

In einer um 1280 verfassten Urkunde des Klosters Weißenburg, die sich auf das Jahr 991 bezieht, wird der Name Durmersheims als

 

„thurmaresheim“

 

erstmals zusammen mit einer Jahresangabe schriftlich festgehalten.

 

Nur wenige Städte und Dörfer können ihre Gründung, ihre "Geburt", so genau festlegen wie z.B. un- sere Nachbarstadt Karlsruhe. Sie kann ihren 300. Geburtstag exakt auf den 17. Juni 1715 zurück- führen, als mit der Grundsteinlegung des Schlossturmes durch Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach praktisch auch der Bau der Fächerstadt begann.

 

Für Durmersheim, das gilt auch für unsere Nachbargemeinden, gibt es keinen historisch belegbaren Gründungsakt. Wenn wir unsere Anfänge suchen, behelfen wir uns mit Funden, Urkunden oder sonstigen Aufzeichnungen, in denen erstmals Hinweise auf unseren Ort zu finden sind.

 

Die erste schriftliche, urkundliche Erwähnung

Bezogen auf Durmersheim ist das im sog. „Codex Edelini“ aus dem Kloster Weißenburg im Nordelsass. In ihm wird "Thurmaresheim" mehrfach zum Teil ohne Jahresangaben erwähnt. Eine der Notizen ver- weist zurück auf das Jahr 991, entspringt aber  mit großer Sicherheit einem „Rechenfehler“.

 

Dieser "Codex Edelini" ist eine Bestandsliste aller Besitzungen des Klosters Weißenburg, die Abt Edelin von Weißenburg um 1280 nachträglich erstellen ließ. Darin wird festgehalten, dass das Kloster im Jahre 991 einen Teil seiner auf der rechten Rheinseite liegenden Besitzungen, darunter auch einige in Durmersheim, auf Anordnung von Kaiser Otto III. an den Salier-Herzog Otto abtreten musste.

 

Aus dem Vergleich mit verschiedenen anderen historischen Quellen lässt sich aber gesichert nach- vollziehen, dass dieser „Weißenburgische Grundstücksverlust" bereits im Jahr 985 erfolgt sein muss.

 

Wir können deshalb festhalten: Die erste bekannte namentliche Erwähnung unseres Ortes wurde um das Jahr 1280 niedergeschrieben. Der betreffende Eintrag bezieht sich aber auf ein Ereignis aus dem Jahr 985, das durch einen Übertragungsfehler aus älteren Vorlagen fälschlicherweise ins Jahr 991 da- tiert wurde. Hört sich sehr  kompliziert an, ist aber im Prinzip einfach und nachvollziehbar.

 

Eigentlich hätte Durmersheim somit bereits 1985 sein 1000jähriges Ersterwähnungsjubiläum und 2010 dann seine 1025-Jahre-Feier zelebrieren können.

 

Interessant ist übrigens, dass im "Codex Edelini" bereits eine Kirche erwähnt wird. Allerdings ist nicht zu erkennen, ob diese im Ortskern von Durmersheim stand oder ob Bickesheim gemeint ist.

 

Die ersten Spuren

Natürlich ist auch unser Ort älter als seine erstmalige namentliche Erwähnung. Das lässt sich für Dur- mersheim archäologisch nachweisen durch viele Bodenfunde im Gewann "Im Eck" beim Schwimmbad.

Dort kamen neben römischen Funden, die 1940 (und auch schon früher) beim Kiesabbau für den Westwall gemacht wurden, auch zahlreiche Objekte aus allen vorhergegangenen Epochen seit der Jungsteinzeit (ca. 2000 v.Chr.) zum Vorschein.

Ein fränkisch-alemannisches Gräberfeld im Bereich der heutigen Karlsruher Straße, das 1959 entdeckt wurde, weist erstmals auf eine größere Siedlung um 600 n.Chr. hin.

 

Zudem sind auf -heim endende Ortsnamen in der Regel Ortschaften, die sich während der fränki- schen Landnahme (bis ca. 600) zunächst als Höfe („Heime“) bildeten.

 

Woher kommen die Namen Durmersheim - Würmersheim - Bickesheim?

Ob Durmersheim wie oft zu lesen allerdings einen Gründer, in diesem Fall "Thurmar", als Namensge- ber hat und somit das „Heim des Thurmar“ ist, lässt sich weder eindeutig bejahen noch sicher vernei- nen. Viele Siedlungen aus jener Zeit wurden wahrscheinlich von Familiensippen gegründet und sind dann auch nach dem Sippenoberhaupt benannt worden.

 

Es darf deshalb munter spekuliert werden, ob es tatsächlich so einen Sippenanführer mit diesem oder ähnlichem Namen gegeben haben könnte oder nicht.

 

Doch die Sprachforschung bietet indes eine etymologische und sicherlich auch verlässlichere Na- mensdeutung an, die sich nicht auf einen Gründer sondern auf die topografische Lage des Ortes be- zieht.

 

Sie verweist auf den keltischen Ursprung des Wortes "Tur", das "Wasser" bedeutet.

 

Durmersheim wäre demzufolge der „Ort am Wasser“. Und Wasser war bei dieser Siedlung am Gesta- debruch, also am Rande des Überschwemmungsbereiches des Rheins, und an der Federbach (kein Druckfehler: seit jeher heißt unser am Ortsrand liegender Bach korrekt "die Federbach -Pfedderbach", im Dialekt "d'Bech - die Bech) sicherlich im Übermaß vorhanden.

 

Verwandte Namen wären z.B. Durlach, Durbach oder Durlangen und auch das Wort „Durst". Aus der Schweiz passt dazu Thur und Thurgau, aus dem Englischen Durham oder Durbridge, aus Frankreich kennen wir z.B. Durance.

 

Das keltische Wort Mar/Mer/Mor bedeutet „Sumpfland“. Auch diese Verknüpfung mit unserem Orts- namen ist sehr naheliegend.

 

Hinweise auf diesen keltischen Wortstamm finden wir auch in Marbach, Marburg, Marschlandschaft, in Mörsch und genauso auch in Durmersheim oder Würmersheim, wobei Würm auch auf „Quelle-Bach“ verweist.

Mit dem seit 1901 im Würmersheimer Ortswappen zu sehenden Wurm hat der Name "Würmersheim" sicherlich nichts zu tun.

                                                                                         

Auch der Ortsname Bickesheim lässt sich sprachlich erklären und heißt nicht automatisch Heim des Bugin.

 

Wer von Au am Rhein kommend ans Hochgestade gelangt, muss über den „Biggser-Buggel“ oder "Biggser Berg" hinauf aufs Hochgestade.

 

Für solche Erhebungen oder Anstiege aus dem Flachland heraus gibt es die alte Bezeichnung "Buch" oder "Bug", also das heutige Wort „Buckel“. Bickesheim ist somit das "Heim auf dem Buckel".

 

Vollständigkeitshalber muss aber hier unbedingt erwähnt werden, dass es nachweislich nie eine ei- genständige Ortschaft Bickesheim gab. Eine solche ist auch in keinem der alten Renovationsberichte beschrieben.

Wahrscheinlich hat es im Umfeld der Wallfahrtsstätte ein Gehöft gegeben, eindeutige Belege sind aber nicht bekannt. Noch im Ortsplan von 1763 sind neben dem Kirchengebäude an dieser Stelle nur das noch heute bestehende „Gasthaus Lamm“ und am Federbach im Bereich des heutigen Bauhofes der Gemeinde eine Mühle eingezeichnet.

 

 

2