Von der Kapelle zur Pfarrkirche in Würmersheim

Kirche in Würmersheim    

                                                                                      

Da Würmersheim stets eine geringe Einwohnerzahl aufzuweisen hatte, gab es von je her Zusammen-arbeit über Gemeindegrenzen hinweg, um die wichtigsten Verwaltungsaufgaben wahrzunehmen.

 

In der frühen Neuzeit bildete Würmersheim daher gemeinsam mit den beiden Nachbarorten Elchesheim und Steinmauern eine „Stabsgemeinde“, das heißt, die Gemeinden teilten sich gewisse kommunale Aufgaben und Ämter, vor allem die niedere Gerichtsbarkeit.

Am gemeinsamen Gericht beteiligte sich Würmersheim mit 2, im 18. Jahrhundert mit 4 „Richtern“.

 

Auch kirchlich bildeten die drei Gemeinden Würmersheim, Elchesheim und Steinmauern wohl zunächst eine Einheit, denn im Jahr 1510 ist urkundlich ein Anteilsrecht des Pfarrers von Elchesheim am Wür-mersheimer Zehnt verbürgt (Steinmauern ist zu der Zeit kirchlich eine Filiale von Elchesheim).

 

Erst nach dem 30jährigen Krieg (1618-1648) scheint Würmersheim in kirchlicher (und damit auch vorübergehend in schulischer) Hinsicht mit Durmersheim fusioniert worden zu sein.

 

Eine erste Ortskirche, besser gesagt eine Kapelle, wurde ab 1777 erbaut und bei der Einsegnung 1778 dem Hlg. Jakobus dem Älteren geweiht.

 

Sie war ein Putzbau mit Eckquaderung und hatte einen achteckigen Dachreiter mit Haube über dem nach Westen zeigenden Eingang.

 

Das Langhaus hatte zwei Fensterachsen, an die sich ein dreiseitig geschlossener Chor mit seitlichen Fenstern und einem zugesetzten Fenster Richtung Osten anschloss. Über der Eingangstür war in den Sturz "17 V./77" (17. Mai 1777) eingemeißelt.

 

Den Altar ließ die Gemeinde 1778 vom Rastatter Hofschreiner Eigler (1756-1806)  für 95 fl. (Gulden) anfertigen. Die Entwurfsplanung ist noch im Generallandesarchiv Karlsruhe vorhanden und zeigt gekuppelte Säulen, sparsame Rocaillen, das Auge Gottes unter einem Baldachin und Figurenschmuck.

 

Für 115 fl. wurde das Werk von Joseph Söllner aus Rastatt vergoldet und mit weiteren Materialien farblich eingefasst - der Baldachin in Silber und Grün, die Säulen in Lapislazuli, die Friese weiß, die Gesichter fleischfarben, die Gewänder fein lasiert mit Gold und Silber. Finanziert werden konnte das Werk nur dank einer Zugabe von 75 fl. von Markgraf Karl Friedrich.

 

Beim Bau der neuen Kirche 1914 wurde der Altar aus der Kapelle als Seitenaltar eingesetzt und größenmäßig angepasst. Eine genaue Beschreibung findet sich unten in "Kunstdenkmäler Badens - Würmersheim."

 

1805 bekam die Kapelle eine kleine Glocke, siehe dazu unten "Pfarrchronik Würmersheim".

 

Mit wachsender Bevölkerung im 19. Jahrhundert wurde die Kapelle allmählich zu klein. Zudem war sie in die Jahre gekommen und zeigte viele Schäden. Ab 1900 ging man deshalb an die Planung eines neuen Gotteshauses, das schräg gegenüber auf einem freien Grundstück errichtet werden sollte.

 

Es sollte aber noch bis 1912 dauern, bis mit dem Neubau begonnen werden konnte. Langwierige Verhandlungen wegen der Finanzierung, wegen Bürgschaften, Anteilen von politischer und kirchlicher Gemeinde und eines Tilgungsplanes zogen sich schier endlos dahin. Immerhin ging es um die für damalige Zeit enorme Summe von 52.500 Reichsmark!

 

Am 26.10.1913 wurde die neue Herz-Jesu-Kirche (als Filialkirche von St. Dionysius Durmersheim) eingeweiht.

 

Die alte Kapelle wurde 1914 in Gemeindewohnungen umgebaut, ehe sie 1952 abgebrochen wurde.

 

--------------------------------------------------------------------------------------

 

Zu den Kirchenglocken finden sich nähere Angaben unter www.ebfr-glocken.de (hier anklicken).

Dort kann man im Bereich "Glockensuche" den gewünschten Ort eingeben und auch alle Glocken entweder einzeln oder "den ganzen Bim-Bam" (im Plenum) zusammen anhören.

 

 

Schlick (1980): Pfarrchronik Würmersheim
Pfarrchronik Würmersheim-2.pdf
PDF-Dokument [9.2 MB]
Kunstdenkmäler Badens (1962): Würmersheim
Würmersheim-Denkmal.pdf
PDF-Dokument [4.8 MB]