Historische Gasthäuser

 

Auch in unseren Orten hat sich seit dem Mittelalter ein reges "Wirtschaftsleben" entwickelt. Es ent-standen Gastwirtschaften und Poststationen, die zum Teil bis heute zumindest in der Bausubstanz des Ortes noch vorhanden sind.

 

Sie spielten im Dorf seit jeher eine große Rolle, neben Kirche und Rat- und Schulhaus. Sie gehörten zu den populärsten und wichtigsten Einrichtungen des gesellschaftlichen Lebens. Als es noch keine Zei-tungen gab, erfuhr man hier die Neuigkeiten aus der großen und kleinen Welt von Wanderern, Rei-senden und Wallfahrern. Auch gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch keine Vereine, so dass die Wirtsstube für die Männer meist der einzige Ort war, wo man die ohnehin knappe Freizeit ver-brachte.

 

Dorfpolitik wurde oft mehr hier als im Rathaus gemacht, und auch zu einem Kaufabschluss gehörte meist ein gemeinsamer Umtrunk. Vermögende Leute konnten es sich leisten, Hochzeiten in einer Wirtschaft zu feiern.

 

Die meisten Gastwirte betrieben ihr Gasthaus neben der Landwirtschaft. 

 

Bei den Dorfwirtschaften wurde streng unterschieden zwischen "Schildwirtschaften" und "Strauß-wirtschaften".

Straußwirtschaften hingen als Erkennungszeichen einen Strauß an die Tür, während die anderen ein Schild hatten, das auch den Namen für die Wirtschaft symbolisierte. Straußwirte durften lediglich Ge-tränke, meistens Bier und Wein, ausschenken. Nur Schildwirtschaften hatten das Recht, Fremde zu beherbergen, Speisen zu verabreichen und Hochzeitsgesellschaften aufzunehmen.

 

Aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg haben wir nur wenig Nachricht über die damals im Dorf be-findlichen Gasthäuser. Am 12. November 1472 wird beiläufig in einer Zeugenaussage das Wirtshaus des Hans Graben in Durmersheim genannt. Wo es stand, welchen Namen es hatte, ist nicht bekannt.

       

Aus dem Jahr 1511 (Freitag nach Appolonia/09. Februar) ist festgehalten: "Paulin, Wirt von Durmers-heim, erkauft für sich und seine Mutter um die von Letzterer auf der Herberge zu Durmersheim ste-henden 42 fl. Hofraithe, Haus und Scheune an der Landstraße nach Muggensturm."

Es kann aber nicht eindeutig dargelegt werden, ob es sich dabei um eine in Durmersheim  befindliche Gaststätte handelt.

 

Kurz vor dem 30jährigen Krieg, um 1600, standen schon der „Schwarze Adler“ und der „Wolf“ auf dem Gelände des ebersteinischen Hofgutes. Das Grundstück mitten im Dorf war ca. 4000 m2 groß.

       

Für die Versorgung der Begleiter der Markgrafen und der Durchreisenden auf der alten Straße auf dem Hochgestade hatte Durmersheim schon sehr früh Herbergen und Wirtschaften. Hier wurden auch die Pferde gewechselt.

1682 werden genannt: der „Wolf“, die „Krone“ und der „Schwarze Adler“. Etwa 100 Jahre später, finden wir in Durmersheim bei ca. 700 Einwohnern die Gastwirtschaften  „Adler“, „Wolf“, „Hirsch“, „Kreuz“, „Engel“ und  „Lamm“ und zusätzlich 7 Bierwirte, also Straußwirtschaften.

       

Die meisten Wirte brauten ihr Bier selbst, denn Brauereien, die  ihr Bier an die Wirte lieferten, gab es kaum. In einigen Wirtshäusern im Dorf gibt es noch heute tiefe Keller, die der kühlen Lagerung des Bieres dienten. Auch hatten die meisten Wirte die Erlaubnis Branntwein zu brennen.

       

In einem amtl. Bericht über die Ortsbereisung von 1854 steht: „Am Ort befinden sich 5 Gastwirt-schaften und 4 Bierwirtschaften, welche den Bedürfnissen vollauf genügen. Ein besonderes polizei-liches Einschreiten gegen die Wirte war nicht erforderlich.“

       

Und im Ortsbereisungsbericht von 1875, 20 Jahre später, heißt es: „Die Wirtshaussitzerei und Lum-perei der zahlreichen jungen Arbeiter, welche teils in der Kartoffelmehlfabrik im Orte, teils in Carls-ruhe Verdienst haben, ist sehr ausgeprägt und man vermisst bei vorkommenden Exzessen energi-sches Einschreiten.“

       

Die Kartoffelmehlfabrik gehörte der Firma Sinner aus Karlsruhe, die hier Stärke und Hefe herstellte. Später war auf dem Gelände die Firma SIKA, heute stehen dort die Hochhäuser an der Würmersheimer Straße.

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Neben "Adler" und "Wolf" gehören noch der "Engel" (1779), das „Kreuz“ (vor 1763) und die „Krone“ (genannt 1682) zu den alten Wirtschaften.

Ende des 19.Jh. bis in das 20.Jh. kamen die Wirtshäuser „Schiff“, „Blume“, „Zum Bahnhof“ (Re-schdratz), „Warteck“, „Waldhorn“ (heute Parkplatz gegenüber vom Kreuz, war auch Lehrerwohnhaus und Raiffeisenbank), „Zur  Klamm“ (Bierwirtschaft, an der Würmersheimer Str. im alten Haus der Fami-lie Eichler).

 

Schon vor dem 30jährigen Krieg, um 1609 werden der „Schwarze Adler“ und der „Wolf“ auf dem Grundstück des Ebersteinischen Hofgutes erwähnt. Die Ebersteiner verloren eine Hälfte des Hofgutes und damit den „Wolf“ an das aufstrebende Geschlecht der Markgrafen von Baden und die andere Hälfte mit dem „Adler“ in Form einer Stiftung an die Kirche in Gernsbach und damit unter geistliche Verwaltung.

Diese beiden Wirtshäuser sind sicher die ältesten im Ort.

 

"Adler"

Nach einem Eintrag im Kirchenbuch der Pfarrei war am 8. November 1660 die Hochzeit des Balthasar Becker mit "deß Ersamen Peter Dreßlers dochter Margaretha Stabhalters zu Würmersßheim, und wirts zum Adeler zu Durmerßheim".

Folglich war der Stabhalter von Würmersheim, Peter Dreßler, zugleich auch Adlerwirt in Durmers-heim. 

Der Stabhalter war als Vertreter des Landesherrn Vorsteher des örtlichen Gerichts und trug bei den Amtsgeschäften als Zeichen einen Stab, ein altes Herrschaftssymbol.

Ab 1725 erscheint mit dem aus Sinzheim stammenden Johann Adam Trapp wieder ein Adlerwirt na-mentlich, dem sein Sohn Wilhelm Trapp nachfolgte.

       

In dem Bericht zur Renovation (ist eine systematische Zusammenstellung aller Besitzverhältnisse im Dorf, ähnlich einem Grundbuch) von 1763 heißt es:

„Wilhelm Trapp der Schuldhaiß, Adlerwürth und Metzger.

Eine grosse 2 stockete Behausung das Würthshaus zum Schwartzen adler genannt.

Item Metzel und Stallungen vom Hauß abgesondert, dazu eine grosse besondere 5

gäblige Scheuer, alles in einer Hofraithe.“

       

Wilhelm Trapps Nachfolger war sein Schwiegersohn Christoph Schlick, geboren in Salmbach/Elsaß. Christoph Schlick baute ein neues Gebäude für den "Adler" und bat 1797, das Wirteprivileg auch auf  dieses neue Haus übernehmen zu dürfen. Bei diesem Christoph Schlick in Durmersheim kehrte auch oft Johann Peter Hebel ein und nahm seinen Schoppen, wie er in seinen Kalender-Erzählungen (1809) schrieb.

 

Der Durmersheimer Adler war dann fast 100 Jahre lang im Besitz dieser Familie Schlick.

Ab 1893 war Augustin Martin Adlerwirt. Seine Tochter Anna heiratete Wilhelm Vogel. Deren Sohn Ed-win Vogel erbte 1955 den „Adler“, der dann fast 100 Jahre, bis 1990, im Familienbesitz war.

        

Mehrere Adlerwirte waren in der Vergangenheit Schultheiß oder nahmen sonst eine wichtige Rolle in der Dorfpolitik ein. Auch war der Adler lange Zeit Poststation, so dass er insgesamt als der mit Abstand bedeutendste und wohl auch wirtschaftlich ertragreichste der alten Durmersheimer Gasthöfe erscheint, mit einer über 400jährigen historischen Vergangenheit. 

 

 

 

 

"Wolf"                                  

Stabhalter Friedrich Becker, ein Enkel des einstigen Adlerwirts Balthasar Becker, kaufte im Jahr 1739 für 3000 Gulden, den „Wolf“. Der "Wolf" blieb daraufhin über 5 Generationen hinweg im Besitz der Fa-milie Becker, die auch noch nebenbei Posthalter waren, wie auch die Wirte vom „Adler“ und „Hirsch“.

Posthalter waren oft Privatleute, die Pferde, später auch Kutschen besaßen und diese nach vertrag-lichen Vereinbarungen der Post zwecks Pferde- und Wagenwechsel zur Verfügung stellten.

     

Wenn die Posthalter gleichzeitig Gasthäuser besaßen, konnten sie von den Reisenden gleich in zwei-facher Hinsicht profitieren. Posthalter waren oft vermögende Leute, das Amt wurde meist innerhalb der Familie weitervererbt.

Später erscheinen der in Ottenau geborene Karl Merkel und Franz Schorpp als Wirte auf dem "Wolf", bis er 1930 von Lukas Bastian und dann von seinem Schwiegersohn Max Flasack übernommen wurde.

 

 

 

„Sternen“

1844 verkaufte der Schuster Johann Haitz das Grundstück für 1600 Gulden an den Bierwirt Carl Abath, der eine Schankwirtschaft mit  Branntweinausschank darauf erbaute. 

 

1883 teilte Karl Enderle dem Gemeinderat brieflich mit, dass er die „Gebäulichkeiten samt Sommer-wirtschaft des verstorbenen Carl Abath käuflich erworben habe. Im Haus wird seit 40 Jahren eine Schankwirtschaft mit Branntweinausschank betrieben.

 

Der Wirt Carl Abath sei bereits 1876 gestorben, und die Witwe hätte das Gasthaus zuletzt mit ihrer Nichte geführt, da aus der Ehe mit Carl Abath keine Kinder vorhanden wären. Diese Nichte hätte er geheiratet. Sie wollten nun gemeinsam das Gasthaus leiten. Das Haus habe einen guten Ruf und wür-de von besseren Leuten besucht. Im Bierbuch würde ein jährlicher Verbrauch von 1500 Litern an-gegeben. Die Genehmigung zum Branntweinausschank sei wichtig, da die Arbeiter im Gemeindewald oftmals als Nahrung nur ein Stück Schwarzbrot und ein Gläschen Branntwein hätten. Der Verdienst dieser Arbeiter sei nicht hoch und sie müssten auch ihre Familien ernähren.

Der Ort habe 2721 Seelen, 9 Wirtschaften, und alle hätten die Genehmigung Branntwein auszuschen-ken. Durmersheim sei ein gut besuchter Marktflecken und eine Kartoffelmehlfabrik gebe es auch.

Er sei Inhaber des Eisernen Kreuzes II. Klasse und hätte bei der Infanterie in Breisach gedient. Da er vom 1870/71er Krieg immer noch eine Kugel im Unterleib habe, möchte er seine Frau und seine Kin-der versorgt wissen“. 

       

Soweit der Brief. Der Bezirksrat stimmte dem Gesuch zu, Karl Enderle durfte auch Branntwein aus-schenken. 

       

Nach dem Wirt Karl Enderle kauft 1899 die Freiherrliche von Seldeneck’sche Brauerei aus Karlsruhe-  Mühlburg die Wirtschaft. 1910 wird das Wirtshaus weiterverkauft an Reinhard Melcher.

       

Im Grundbuch ist eingetragen:

„Kaufvertrag“ zwischen Herrn Oberschlosshauptmann Freiherr Wilhelm v. Seldeneck, Exzellenz in Karlsruhe Mühlburg und dem Wirt Reinhard Melcher

Auflage: „Allen Bierverbrauch in der Wirtschaft „Zum Stern“ und über die Straße und nach auswärtigen Orten 12 Jahre lang, vom 1. Januar 1911 an gerechnet, nur ausschließlich aus der Mühlburger Brauerei, vormals Freiherrliche v. Seldeneck’sche Brauerei in Karlsruhe- Mühlburg zu beziehen, und zwar den Hektoliter Lagerbier um 20 M 50 Pf und den Hektoliter helles oder dunkles Versandbier (Exportbier) um 23 M. 

Die Flasche dunkles Lagerbier 0,7 ltr. zu 17 Pfg., die Flasche helles oder dunkles Versandbier 0.7 ltr. zu 22 Pfg. 1938 erbte der Sohn August Melcher, Metzger und Wirt, das Anwesen. Nach seinem Tod (1977) ging es an seine Witwe Paula Melcher, geb. Hammer und dann ihre Nichte.

 

Mit seiner Kegelbahn war der "Sternen" ein beliebter Treffpunkt im Ort.

„Hirsch“

     

Auch  der  "Hirsch" ist ein  sehr  alter  Gasthof.

Ursprünglich befand er sich ungefähr dort, wo  die Bäckerei Maier (seit 2019 Bäckerei Braun)  ist.

 

Bereits 1747 ruhte auf dem „Hirsch“ eine Schildgerechtigkeit. In der Renovation von 1763 steht ge-schrieben: „Zweystockete Behausung das Würthshaus zum Hirsch. Item eine anderthalbstockete Be-hausung und Scheuer aneinander, Hofraithe und Kuchelgarten."

 

Als ersten Wirt finden wir einen Bernhard Hammer (1695-1772), ihm folgte sein Sohn Franz (1720 - 1790), diesem Johann Baptist Trapp (1756-1794). Nach dessen Tod erwarb Josef Vögele das Schild "Zum Hirsch" und damit auch das Wirtsrecht, das er in sein Haus bei der Bickesheimer Kirche übertragen wollte, was aber vom damaligen Lammwirt Daiger verhindert wurde.

 

Nach Josef Vögele ging der Hirsch an die Witwe des früheren Hirschwirtes Joh. Trapp, Margaretha geb. Dunz, die den Bietigheimer Franz Anton Volz (+ 18.6.1840) heiratete, der die Wirtschaft dann wieder betrieb.

Seit 1802 war Franz Josef Weingärtner Hirschwirt, der mit seiner Ehefrau Agatha geb. Ästle 1808 das neue, heutige Gasthaus erbaute.

 

Ungefähr um 1840 gelangte der "Hirsch" dann für mehrere Generationen in den Besitz der Familie Ganz. Aus dieser Familie waren Hirschwirte: der Bürgermeister Ignaz Ganz (29.9.1791 - 25.1.1846, ertrunken), sein Sohn Heinrich (1819-1891) und dessen Sohn Ludwig (1853-1945).

Nach dem Krieg übernahm dessen Schwiegersohn Karl Gressel den Hirsch, der seit 1987 von seinem Enkel Gerhard Bauer geführt wird.

 

 

An die Zeit als Posthalterei erinnert noch das an der Straßenseite erkennbare zugemauerte Tor.

 

 

 

"Engel"


Über die Entstehung des "Engels" haben wir nähere Kenntnisse.

 

Der Durmersheimer Bürger Martin Ell (1730-1795), Schneider und Krämer, erhielt 1758 die Erlaubnis, in seinem Haus Bier ausschenken zu dürfen.

Dieses Haus lag nach dem Dorfplan 1763 an der Bachstraße, der damaligen Hauptstraße des Dorfes, ungefähr dort, wo heute der Zugang über den Federbach zum Festplatz ist. Es war ihm jedoch ver-boten, Wein und Speisen an Gäste abzugeben oder diese zu beherbergen.

 

Nachdem er 15 Jahre lang seinen Bierschank betrieben hatte, beantragte er 1773 die Schildgerechtig-keit, um seinen Gästen auch Wein vorsetzen zu dürfen. Im Hinblick auf den Lammwirt Braxmaier, der sich in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand, welche die Regierung durch Einrichtung einer neuen Wirtschaft nicht noch verstärken wollte, wurde Ell's Gesuch abgewiesen.

 

Ein Jahr später, 1774, wurde ihm aber der Weinausschank gestattet. Ell war jetzt ein "Straußwirt", vor-her war er nur Bierhändler.

 

Im Jahr 1778 kam er bei der Regierung erneut um die Schildgerechtigkeit ein, d. h. um das Recht, ei-nen Schild auszuhängen und seinen Gästen auch Speisen und Beherbergung anbieten zu dürfen. Nachdem sein Haus und seine Küche als genügend befunden worden waren, wurde ihm 1779 endlich das Schildrecht gegen eine Gebühr von 75 Gulden erteilt. Er wählte als Schild den "Engel".

 

Vor 1800 erbaute er ein neues Haus und verlegte seine Wirtschaft aus dem Tiefgestade an die nach 1770 gebaute neue Hauptstraße (dorthin wo der Engel heute steht), weil der Durchgangsverkehr jetzt nicht mehr über die Bachstraße lief.

 

Nach seinem Tod im Jahr 1795 folgte ihm als Wirt auf dem "Engel" sein Sohn Josef.

 

Es folgten noch einige Wirte auf dem „Engel“, bis 1895 die Brauerei Sinner/Karlsruhe die Wirtschaft er-wirbt: 

Bartholomäus Speck aus Ettlingen (+1843), Benedikt Weingärtner (1779-1848), Franz Anton Höfele aus Ötigheim.

Ell, Speck und Weingärtner waren zugleich auch Bäcker

 

1921 wird Ludwig Augenstein Wirt. Nach ihm geht der Engel nach einer Zwangsversteigerung wieder in den Besitz der Brauerei Sinner über.

1953 ist Anna Enderle Wirtin, danach Magdalena Maier und anschließend ihr Sohn Siegfried.

 

 

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