Einmal Texas und zurück!

Wo ist die Gedenktafel?

 

Es war im Oktober 2013.

Im Hardtmuseum Durmersheim hat das Museumsteam das Jahresprogramm 2014 geplant. Als wichtigstes Ereignis für 2014 wurde die Erinnerung an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor genau 100 Jahren im Juli 1914 in den Mittelpunkt gerückt.

Zu diesem Anlass wurde eine Ausstellung im Hardtmuseum be-schlossen, die im Oktober 2014 eröffnet werden sollte.

 

In unserem Museumsarchiv haben wir zu diesem Thema viele Unterlagen, Fotos und Gegenstände. Zusätzlich haben wir für diese Ausstellung in unserem lokalen Mitteilungsblatt die Öffentlichkeit aufgefordert, uns private Dokumente, Fotos, Gegenstände usw. zur Verfügung zu stellen.

 

Die Resonanz war überwältigend. Ab Januar 2014 konnten wir die Unterlagen ordnen und die Themen für die Ausstellung festlegen:

 

1.    Information über den Ersten Weltkrieg

2.    Militärorganisation und Rekrutenzeit

3.    Ausbruch des Krieges und die ersten örtlichen Soldaten (15 Durmersheimer sind bereits 1914

       gefallen)

4.    Feldpost, Briefe und Postkarten - Feldpost von Otto Kränkel und der Familie Kolb

5.    Soldat Otto Kary an der Westfront (eine Biographie und Nachforschungen seines Enkels Roland 

       Kary - siehe unten PDF)

6.    Uniformen

7.    Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Durmersheim

8.    Gegenstände aus dem WW I

9.    Gefallene 1914-1918

10.  Fotos                         

11.  Währung und Briefmarken 1910-1920

12.  Verschiedene Persönlichkeiten

13.  Kriegsverpflegungsanstalt Durmersheim

14.  Kriegsliteratur und Propaganda

                   

   

Und hier beginnt unsere Geschichte:

Bei unserer Recherche haben wir in unseren Unterlagen ein Foto einer Gedenkplatte mit Bildern (Maria von Bickesheim, Bernhard von Baden) und Namen der Durmersheimer Soldaten, die im WK I. gefallen sind, gefunden.

                                                                                  

Schnell konnte geklärt werden, um was es sich bei dieser ca. 180 cm hohen Stahlplatte, die wahr- scheinlich kurz nach dem Ersten Weltkrieg gefertigt wurde, dreht.

Diese Platte war 2007 oder 2008 im Lager der Gemeinde. Das Museum wurde damals gefragt, ob man sie im Museum ausstellen könnte. Da sie zu groß für die Museumsräume war, wurde sie wieder zu- rückgegeben.

 

2014: "Wir brauchen diese Tafel für die Ausstellung!"

Natürlich wollten wir jetzt 2014 diese Tafel in die Ausstellung holen.

Aber sie war nicht mehr da!

Unsere Recherche zeigte, dass sie vom Lager einem Alteisenhändler überlassen wurde, der privat auch mit Antiquitäten handelte. Dieser hatte die Platte damals an einen Antiquitätenhändler in Karlsruhe oder Mannheim gegeben.

 

Von dort aus verlieren sich alle Spuren, bis ........ wir am 14. September 2016 eine email vom Rathaus erhielten mit einer Nachricht von Mrs. Cynthia Bell aus Granbury/TX:

"Are you interested in this Plaque?"

 

Wir waren verwirrt und aufgeregt. "Das ist unsere Gedenktafel! Mit Maria von Bickesheim und mit Bernhard von Baden! Und mit den Namen aus Durmersheim!  Wie ist die denn nach Texas gekom- men?"

 

Natürlich waren wir an der Tafel interessiert und schrieben sofort eine Antwort an Cynthia Bell in Granbury/TX.

 

Dieser Tag war der Beginn einer aufregenden und verrückten Beziehung zwischen Granbury/Texas in den Vereinigten Staaten von Amerika und Durmersheim in Deutschland.

 

Cynthia Bell hatte die Tafel zusammen mit ihrer Mutter bei einem Antiquitätenhändler in Frede- ricksburg/TX entdeckt. Dort wurde das gute Stück (fälschlicherweise) als französische Antiquität angeboten, weil auf der Tafel viele französiche Ortsnamen eingetragen sind - nämlich Orte, an denen die meisten der aufgeführten Soldaten gefallen sind. Da Cynthia eine kleine Kunstgallerie betreibt, wurde sie dort aufgestellt.

 

Irgendwann später kamen Cynthia beim Betrachten der Namen Zweifel an der französischen Herkunft.  Cynthia spricht zwar kein Deutsch, hatte aber doch den Verdacht, dass es sich um deutsche Namen handeln könnte. Ihre Großeltern väterlicherseits waren deutsche Auswanderer aus dem Raum Magde- burg, sodass ihr deutschklingende Wörter nicht ganz fremd waren. Sie recherchierte diese Namen im Internet.

 

Bei der Internetsuche kam heraus, dass die aufgeführten Namen in großer Häufigkeit in dem Ort Dur- mersheim in Deutschland vorkommen. Über die Homepage der Gemeinde Durmersheim setzte sich Cynthia nun mit der Gemeindeverwaltung Durmersheim in Verbindung. Und so nahm der weitere Verlauf Fahrt auf.

 

Cynthia Bell wollte, dass die Tafel wieder nach Durmersheim zurückkehren sollte! Das war ein großes Projekt, weil weder sie noch wir Erfahrung in transatlantischen Transporten hatten.

 

Viele Fragen und Probleme mussten geklärt werden:

Wie kann die Tafel von Dallas/Texas/USA nach Frankfurt/Deutschland transportiert werden?

Welche Spedition kann das machen?

Wie muss die Tafel verpackt werden?

Welche Zollbestimmungen sind zu beachten?

Was kostet die Verpackung?

Was kostet der Versand?

Wo soll die Tafel in Durmersheimer installiert werden?

 

Wir holten bei verschiedenen Transportunternehmen Angebote ein und nahmen Kontakt auf mit einer Spezialfirma in Bayern, die Industriegüter für den weltweiten Transport verpackt.

 

Von dieser Firma erhielten wir den Hinweis, dass sie meistens mit DBSchenker zusammenarbeitet. Sie gaben uns auch die Adresse eines amerikanischen Verpackers in Dallas.

 

Das war ein guter Tipp, denn in Karlsruhe gibt es auch eine DBSchenker-Filiale. Wir fuhren also nach Karlsruhe zu DBSchenker und organisierten alle Einzelheiten, auch die Zollformalitäten. Vielen Dank an DBSchenker für die tatkräftige Unterstützung!

 

Nachdem wir alle Fakten zusammen hatte, gingen wir zu unserem Bürgermeister, Herr Andreas Au- gustin. Er sicherte uns die volle Unterstützung der Gemeinde Durmersheim zu, auch finanzielle Hilfe, falls notwendig.

 

Nachdem wir mit DBSchenker die richtige Firma gefunden hatten, musste Cynthia Bell nun in Granbury eine gute Verpackungsfirma suchen. Sie war erfolgreich und konnte dann im Oktober 2016 die Tafel dort abgeben.

 

Dann, am 15.11.2016, war es endlich soweit. Mit einem LKW wurde die große Holzkiste (128 kg Ge- wicht) in Durmersheim angeliefert!

Die Gedenktafel hat nach ihrem Ausflug nach Texas und zurück wieder in ihre Heimat zurückge- funden!

 

Aber dies ist nur eine Seite dieser Geschichte.

Die andere Seite ist die Bekanntschaft mit zwei wunderbaren Freunden in Granbury/Texas: Cynthia und Rex Bell. Ihre Entscheidung, dass die Tafel wieder zurück in ihre Durmersheimer Heimat soll, ist eine sehr großzügige Geste, die viel aussagt über den hohen Charakter von Cynthia und Rex.

 

Unzählige emails und Fotos, nicht nur über die Tafel, flogen von West nach Ost und von Ost nach West. Wir sprachen über Gott und die Welt, über Kunst und Kultur, über Politik und Alltagsleben in unseren Ländern und lernten uns immer besser kennen.

 

Wir möchten uns im Namen unseres Museums und der Gemeinde Durmersheim bei Cynthia und Rex von Herzen bedanken für die Großzügigkeit und vor allem für ein offenes Herz mit viel Liebe und Em- pathie.

 

Vielleicht werden die email-Botschaften in der nächsten Zeit weniger werden, aber in Gedanken wer- den wir ständig verbunden bleiben.

 

Und immer, wenn wir die Gedenktafel betrachten, werden unsere Gedanken in Granbury/TX und bei Cynthia und Rex Bell sein.

 

Wir bedanken uns recht herzlich bei der Gemeinde Durmersheim für die Übernahme der Kosten und für die Aufstellung der Tafel in der Kriegerkapelle des Alten Friedhofs durch den Bauhof.

 

Namen auf der Gefallenentafel
Namenstabelle.pdf
PDF-Dokument [149.7 KB]
Kriegsteilnehmer Durmersheim (1914-1918)
Kriegsteilnehmer Durmersheim.pdf
PDF-Dokument [42.2 MB]
Der Soldat Otto Kary an der Westfront (Roland Kary, 2017)
Otto Kary Westfront 1918März17-2.pdf
PDF-Dokument [18.2 MB]

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Kriegsteilnehmer Würmersheim-1 (1914-1918)
Kriegsteilnehmer Würmersheim-1.pdf
PDF-Dokument [74.0 MB]
Kriegsteilnehmer Würmersheim-2 (1914-1918)
Kriegsteilnehmer Würmersheim-2.pdf
PDF-Dokument [51.5 MB]
Bad. Tagblatt-24.03.2017
20170324_BT_Von Durmersheim nach Texas u[...]
PDF-Dokument [144.9 KB]
BNN-29.03.2017
BNN-29.03.17-Wieder aufgetaucht.pdf
PDF-Dokument [1.1 MB]