Katholische Pfarrei St. Dionysius

In der Folge der Reformation und des 30jährigen Kriegs wechselte Durmersheim 8mal seine Konfes-sion, je nach der vom Landesherrn vorgegeben Richtung (Augsburger Religionsfriede 1555: Cuius regio, eius religio = Wessen Land, dessen Religion).

 

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts, als in Durmersheim eine evangelische Kirchengemeinde gegründet wurde, war Durmersheim rein katholisch. Das wurde auch von den evangelischen Markgrafen von Baden-Durlach belassen, als 1771 die katholische Obere Markgrafschaft in Erbfolge an sie überging.

 

Aus der Chronik von Martin Burkart (2002) können wir umfangreiche Informationen übernehmen, die uns Aufschluss geben über die religiösen Strukturen in unserer Gegend seit der vor-römischen Zeit und über die Verhältnisse im christlich-katholischen Durmersheim bis ins 20. Jhdt.

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St. Dionys kunsthistorisch
Kirchenbeschreibung in Kunstdenkmäler Ba[...]
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Martin Burkart: Alte und neue Pfarrkirche
Alte Kirche und neue Kirche.pdf
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Katholisches Pfarrhaus in der RömerstraßePfarrhaus
16-Pfarrhaus und Friedhof.pdf
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Erzbischöflich-Speyerische Visitation 1683
27a-Visitation Speyer 1683.pdf
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Von der Christianisierung unserer Gegend zur katholischen Pfarrei

St. Dionysius

 

Religion, Kirche und Pfarrei (bis 1930)

 

Bereits jahrtausendealte Höhlenzeichnungen, besonders aber Bestattungsformen und Grabbeigaben, lassen den Rückschluss zu, dass der Homo sapiens immer auch ein Homo religiosus war. Mangels schriftlicher Quellen wissen wir über jene uralten Religionen freilich gar nichts Inhaltliches.

 

Auch die Religion der Kelten, die einst unsere Heimat bewohnten, ist in ihrem konkreten Gehalt kaum zu fassen. Genauere Auskünfte bei solchen Fragen bekommen wir erst über die Römer, die ja rund 250 Jahre lang unsere Heimat und eben auch die heutige Gemarkung Durmersheim besiedelt hatten.

 

Der 1830 gefundene Rest eines Viergötteraltares, welcher den Gott Herkules darstellt, ist das älteste religiöse Zeugnis aus Durmersheim. Zugleich müssen wir uns klar machen, dass die "Römer", welche als Soldaten oder Kolonisten in den Provinzen lebten, gar nicht oder nur zu einem minimalen Bruchteil aus der Stadt Rom kamen. Römische Soldaten und Siedler bildeten vielmehr schon damals eine multikul-turelle Gesellschaft, die aus allen Teilen des großen Römischen Reiches zusammengewürfelt und obendrein mit der alten keltischen Bevölkerung vermischt war. Entsprechend wurde auch eine Vielzahl von Gottheiten verehrt, keineswegs nur die altrömischen Götter wie Jupiter, Mars etc.

 

Gerade unter Soldaten sehr verbreitet war im 3. Jahrhundert die Mithras-Religion, deren Wurzeln im Iran liegen, und die zumindest äußerlich manche Gemeinsamkeiten mit dem Christentum aufweist. Eine solche Mithras-Statue wurde auch in Ettlingen gefunden.

 

Schließlich fand auch der christliche Glaube den Weg bis in das römische Germanien. Gemeinhin verbindet man den Beginn des Christentums in unserer Heimat ja mit den iro-schottischen Mönchen des 6. und 7. Jahrhunderts, tatsächlich aber war deren Mission bereits die zweite Christianisierung Germaniens. Die ersten Christen in unserer Heimat waren nämlich Römer! Um das Jahr 200 spricht Bischof Irenäus von Lyon davon, dass es selbst in der Provinz Germania christliche Gemeinden gäbe, und für das 4. Jahrhundert sind Bischöfe in Mainz, Worms, Speyer, Straßburg und Basel nachgewiesen.

 

Der Niedergang der römischen Herrschaft und die Besiedelung durch die Alemannen beendeten diese ersten Anfänge des Christentums.

Über die Religion der Alemannen wissen wir nicht sehr viel. Steinerne Tempel kannten sie nicht, sondern feierten ihren Kult unter freiem Himmel, was natürlich wenig übrig ließ, das heute die Archäologen finden können. Die moderne Forschung ist auch vorsichtig geworden im Umgang mit jenen Erzählungen über die germanische Götterwelt, die von Wodan, Donar, Freya etc. handeln, denn diese beruhen auf Texten, die erst viele Jahrhunderte später entstanden sind. Inwieweit sie tatsächlich die Religion unserer Vorfahren wiedergeben, ist offen.

 

Für die religiösen Verhältnisse weitreichende Wirkungen hatte das Jahr 496, als die Alemannen den Franken unterlagen. Noch im selben Jahr trat nämlich der siegreiche Frankenkönig Chlodwig zum Christentum über. Danach wurde das Christentum auch bei den besiegten Alemannen eingeführt. Die Taufe war ein schneller, nicht immer gut überlegter Akt, die wirkliche, innere Annahme des Christentums hingegen ein Prozess, der einige Jahrhunderte dauerte. Noch lange finden sich die alte germanische und die neue christliche Religion nebeneinander und miteinander vermischt; gleichzeitig wurden germanische Gottheiten und christliche Heilige um Schutz und Beistand angerufen. Die Bauern verehrten immer noch Naturgottheiten und befestigten Pferdeschädel an den Giebeln der Häuser zum Zeichen der Verehrung Wodans. Archäologen haben Gürtel gefunden, an denen nebeneinander Kreuze und Amulette des Donar hingen.

 

Zur wirklichen, inneren Christianisierung des Landes wurden Kirchen und Klöster erbaut.

Eine wichtige Rolle bei der Christianisierung unserer Heimat spielte das Kloster Weißenburg. In einer Handschrift dieses Klosters findet sich auch die erste Erwähnung unseres Dorfes, und bereits damals wird auch schon eine Kirche in Durmersheim genannt. Vielleicht wurde diese Kirche sogar von den Weißenburger Mönchen gegründet, wie v.a. das Patrozinium "St. Dionysius" vermuten lässt, denn auch im Kloster Weißenburg gab es eine Dionys-Kapelle.

 

Bevor wir die weitere Geschichte dieser Kirche verfolgen, müssen wir uns noch kurz mit zwei Erscheinungen beschäftigen, die für das gesamte Mittelalter und noch für einen großen Teil der Neuzeit von überragender Bedeutung im kirchlichen Bereich waren: dem Patronatsrecht und dem Pfründewesen.

 

Im Merowinger- und Karolingerreich war ein großer Teil der Kirchen auf dem Land durch die örtlichen Grundherren errichtet und ausgestattet worden. Dementsprechend betrachteten die Gründer diese Kirchen als ihr Eigentum, über das sie frei verfügen konnten, sowohl was die Einnahmen der Kirche als auch die Ein- und Absetzung der Geistlichen betraf. Man nennt dieses System "Eigenkirchenwesen".

 

Im hohen Mittelalter, ungefähr im 12. Jahrhundert, wurde es von der Kirche zunehmend als unpassend empfunden, dass Laien solchen Einfluss hatten und Kirchenrechtslehrer entwickelten als Ablösung des Eigenkirchenwesens das "Patronatsrecht" (oder den "Kirchensatz"), das es in Einzelfällen bis heute gibt. Der Patronatsherr hatte das Recht, einen Geistlichen als Pfarrer vorzuschlagen oder, wie der Fachbegriff lautete, "zu präsentieren". Offiziell eingesetzt wurde der Betreffende dann vom Bischof (der Vorschlag des Patronatsherren war allerdings bindend - außer wenn die genannte Person of-fensichtlich ungeeignet war). Die Ernennung des Pfarrers war natürlich nicht unbedeutend für das Leben im Dorf. Man bedenke nur, wie wichtig der Pfarrer im Dorf war, unter dessen Einwohnern er lange Zeit noch der Einzige war, der lesen und schreiben konnte! Und auch sonst hatten die Pfarrer in alter Zeit natürlich einen erheblichen Einfluss auf das Geschehen im Dorf, so dass es nicht gleichgültig war, wer dieses Amt innehatte. Finanzielle Vorteile, vor allem der Zugriff auf die Einkünfte der Kirche, sollten mit dem Patronatsrecht (im Unterschied zum Eigenkirchenwesen) eigentlich nicht mehr verbunden gewesen sein, waren aber noch oft üblich.

 

Mit dem Patronatsrecht waren freilich auch Pflichten verbunden. Neben der allgemeinen Verpflichtung zu Schutz und Schirm der ihm anvertrauten Kirche und des Geistlichen, bestand die wichtigste Pflicht des Patrons darin, die finanziellen Lasten für die Instandhaltung der Kirche zu tragen ("Kirchen-baulast"), wenn das eigentliche Kirchenvermögen dazu nicht ausreichte.

 

Meist kam es zu einer komplizierten Verteilung der Lasten, so hatte in Durmersheim der Patronatsherr das Kirchenschiff zu unterhalten, die politische Gemeinde den Turm und der Kirchenfond, d.h. die eigentliche Kirchengemeinde, den Chor der Kirche und die Sakristei. Sollte der Patronatsherr unverschuldet in Not kommen, konnte er umgekehrt Unterstützung aus dem Kirchenvermögen bean-spruchen. Wie praktisch jeder Besitz und jeder Rechtsanspruch, konnte im Mittelalter auch das Pa-tronatsrecht als Lehen an eine andere Person weitergegeben werden, was auch im Falle Durmersheims geschah. (Das hier skizzierte Kirchenpatronat ist nicht zu verwechseln mit dem geistlichen Kirchen-patrozinium, in unserem Fall dem Hl. Dionysius, dem die Kirche geweiht ist.

 

Wie der weltliche Patronatsherr das reale Kirchengebäude zu schützen und zu unterhalten hatte, so erhoffte man von dem geistlichen Patron Schutz durch seine Fürbitte bei Gott).

 

Eine weitere wichtige Erscheinung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kirche ist das Pfründewesen. Eine Pfründe ist ein materieller Besitz, meist Grund und Boden, bisweilen auch ein Ka-pitalvermögen, dessen Ertrag für eine bestimmte kirchliche Stelle verwendet wird. Auf dem Land bestand die Pfründe meist einfach darin, dass der Pfarrer seine Entlohnung aus dem Ertrag be-stimmter Güter bezog. In großen oder bedeutenden Kirchen, etwa in der Wallfahrtskirche Bickesheim, konnten auch einzelne Altäre mit einer Pfründe versehen ("dotiert") sein. Der Priester, der an diesem Altar die Messe las, bekam eine Zuwendung aus der betreffenden Pfründe. In ein- und derselben Kirche mit verschiedenen Neben- und Seitenaltären konnte es deshalb eine ganze Zahl verschiedener Pfründen geben (in der Wallfahrtskirche Bickesheim gab es im 15. Jahrhundert fünf solcher Pfründen).

 

Meist reichte eine solche Pfründe aber nicht zum Lebensunterhalt aus, und jene Geistlichen, die keine feste Stelle als Pfarrer hatten, mussten mehrere Pfründen suchen. Diese Suche nach guten Pfründen nahm oft mehr Zeit und Energie in Anspruch als für die eigentliche Seelsorge zur Verfügung stand. Dass solche "Pfründenjäger" nicht gerade gute Seelsorger waren, versteht sich. Häufig verrichteten die Inhaber einer Pfründe die damit in Zusammenhang stehenden Pflichten nicht selbst, sondern ließen sie durch einen angestellten Priester ausführen. Im Mittelalter übertrugen die Pfarrer die eigentliche Seelsorge daher oft an einen "Leutpriester" und wohnten selbst gar nicht am Ort. Einen solchen Pfar-rer, der die Seelsorge nicht selbst ausübte, nannte man damals "Pfarr-Rektor" ("rector ecclesiae"); heute hat der Begriff eine andere Bedeutung). Auch in Durmersheim gab es im 14. und 15. Jahr-hundert solche Pfarr-Rektoren und wohl auch entsprechende Leutpriester.

 

Insgesamt trug das Pfründewesen wesentlich zur oft beklagten Verweltlichung der mittelalterlichen Kirche bei. Durch die Kirchensteuer ist das Pfründewesen heute abgeschafft.

 

Die katholische Pfarrei St. Dionysius

Bereits in der ältesten Erwähnung Durmersheims im Weißenburger Güterbeschrieb aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts wird eine Kirche in Durmersheim erwähnt. Nähere Einzelheiten über sie oder auch die Geistlichen, die dort Dienst taten, erfahren wir freilich nicht. Jedenfalls entwickelte sich aus dieser Eigenkirche des Klosters Weißenburg im Lauf des Mittelalters die Pfarrei St. Dionysius. Um das Jahr 985 verlor das Kloster Weißenburg mit seinem Besitz in Durmersheim auch die hiesige Kirche, zunächst an die Salier, später an verschiedene andere Adelsfamilien.

Das Patronatsrecht an der Durmersheimer Pfarrkirche gelangte schließlich an die Grafen von Katzenelnbogen, die es als Lehen weitergaben. Am 8. März 1322 verlieh Graf Wilhelm von Katzen-elnbogen das Patronatsrecht der Durmersheimer Kirche dem Ritter Johannes von Schmalenstein. Die-ser starb 1323, einige Zeit später, nämlich am 27.7.1326, verlieh Graf Wilhelm das Patronatsrecht dem Edelknecht Konrad von Schmalenstein. Ein Konrad von Schmalenstein, vielleicht ein gleich-namiger Sohn oder Enkel des Vorgenannten, besaß dieses Recht auch noch im Jahr 1382 als Lehen.

 

Der nächste Patronatsherr der Durmersheimer Pfarrkirche war Gumpold von Gültlingen, der dieses Recht am 17.2.1393 von Graf Eberhard als Lehen erhielt. Noch Jahrzehnte später sind die Grafen von Katzenelnbogen im Besitz des Durmersheimer Kirchensatzes, denn laut erhaltener Urkunde übertrug am 23. Juli 1466 Graf Philipp von Katzenelnbogen dieses Lehen an Johann Hochberg.

 

Mit jenem Graf Philipp starb die Familie von Katzenelnbogen aus, ihr Erbe traten die Landgrafen von Hessen an. Landgraf Heinrich von Hessen erneuerte am 23. März 1480 die Verleihung des Durmers-heimer Kirchensatzes an die Familie Hochberg. Johann Hochberg stand im Dienst der Markgrafen und versah schließlich das Amt des Landschreibers, des höchsten Finanzbeamten der Markgrafschaft. Als Patronatsherr von Durmersheim folgte ihm sein Sohn Sebastian, der das Lehen 1516 noch einmal von Landgraf Philipp "dem Großmütigen" von Hessen erhielt. Zusammen mit Sebastian Hochberg wird in den Jahren 1538 und 1542 ein Johann Helias (=Elias) Meichsner als Inhaber des Patronatsrechts ge-nannt.

 

1543 starb das Geschlecht der Hochberg aus (ihr Grabmal befindet sich in der Schlosskirche Pforz-heim), daraufhin gelang es den Markgrafen von Baden, das Patronatsrecht an sich zu ziehen. Leider sind keine Urkunden über den genauen Vorgang erhalten. Die Landesherrschaft behielt dieses Recht bis zum Ende der Monarchie 1918; all die vielen Pfarrer, die in dieser Zeit in Durmersheim amtierten, wurden dem Bischof vom Markgraf bzw. Großherzog zur Einsetzung präsentiert. Erst seit 1918 ist die Ernennung des Pfarrers eine rein kirchliche Angelegenheit, die der Erzbischof von Freiburg allein vor-nimmt.

 

Ein solcher Pfarrer von Durmersheim wird erstmals 1310 (leider nicht namentlich) erwähnt, am 18. August 1366 wird der Pfarr-Rektor Cuntzmann und im Jahr 1381 ein Pfarrer Claus von Durmersheim genannt. Ebenso ist in derselben Urkunde der Frühmesser Johannes von Bickesheim angeführt (ein "Frühmesser" las die Frühmesse am Sonntagmorgen; oft wurde diese Stelle an bejahrte Priester vergeben, die altershalber keine Pfarrei mehr betreuen konnten).

 

Am Ende des 14. Jahrhundert hatte wieder (oder immer noch) ein Mitglied der Ettlinger Familie Kuntz-mann die Pfarrpfründe in Durmersheim inne, nämlich Conrad Cuntzmann, der um 1395 starb. Als sein Nachfolger wurde am 9.4.1396 Heinrich Uwer bestätigt. 1485 siegelte in einer Urkunde ein Pfarr-Rek-tor Johann Hochberg. 1488 sollte er auf Vorschlag des Markgrafen Stadtpfarrer in Ettlingen werden, was aber nicht geschah.

Daher wird er als Rektor in Durmersheim auch noch im Jahr 1497 genannt, als er in Rom die Verleih-ung eines Ablasses zu Gunsten der Wallfahrtskirche Bickesheim erreichte. Es dürfte sich bei diesem Johann Hochberg sicher um einen Verwandten des damaligen Patronatsherrn, Sebastian Hochberg, handeln. Er scheint 1505 gestorben zu sein.

 

Als nächster "Kirchherr zu Dormerßheim" wird am 16.6.1507 ein Nikolaus Ritter aus Ettlingen erwähnt. Das Jahr 1538 gibt uns näheren Aufschluss über die Stellung des Pfarrers in seiner Ge-meinde. Dem damals neu eingesetzten Pfarrer Niclas Siglin verweigerte die Gemeinde nämlich ein Allmendanteil Wiesen zu Nutznießung, wie es jeder anderer Bürger erhielt und es auch beim früheren Pfarrer der Fall war. Der Pfarrer rief den Patronatsherrn, Johann Helias (=Elias) Meichsner, um "hülff und gebürliche handhabung der kirchengerechtigkeit" an. Meichsner reichte beim Statthalter der markgräflichen Vormundschaftsregierung eine Klage gegen die Gemeinde Durmersheim ein.

Der Amtmann von Kuppenheim verhörte daraufhin Schultheiß und Gericht über den Sachverhalt. Diese gaben an, dass früher keinem Pfarrer eine Nutznießung zuteil geworden sei, dies sei erst durch den Bauernkrieg so gekommen; "es hab sich nach begangener beurischer empörung begeben, das uß ge-heißs der Herrschaft die priester haben müssen burger werden", deshalb "dem jüngst abgestorbenen pfarrer derglichen dem Caplan zu Bickißheim glich ainem andern Burger, dieweil sie burgerliche be-schwerungen tragen müssen, almendtail Wiessen zuniessen und bruchen geben worden. Alsbald sie aber nit mehr burgerschafft gehalten (d.h. die Pflichten und Lasten eines Bürgers nicht mehr getra-gen), haben sie ... khein theil mehr geben wöllen". Die Gemeinde wurde daraufhin angehalten, auch ferner dem Pfarrer seinen Anteil an den Allmendwiesen zukommen zu lassen.

 

Am 28.2.1549 wurde Johannes Rumelin als Pfarrer eingesetzt, der freilich bald darauf gestorben ist; ihm folgte schon am 11.8.1550 Valentin Junt. Dieser scheint längere Zeit als Pfarrer am Ort tätig ge-wesen zu sein und wird auch 1567 noch als "Pfarrherr" erwähnt. Nicht klar ist, ob er katholisch oder evangelisch war; er wurde zwar dem Bischof von Speyer zur Einsetzung präsentiert, unter der Regierung des Markgrafen Philibert, der selbst dem Protestantismus zuneigte, traten aber viele Pries-ter zum evangelischen Bekenntnis über.

 

Die auf Philibert folgende bayrische Vormundschaftsregierung und anschließend Markgraf Philipp II. begünstigten dann wiederum die katholische Kirche und ernannten katholische Priester als Pfarrer. Als solcher muss in den1570er Jahren ein Georg Holl in Durmersheim tätig gewesen sein, wie aus den Protokollen des "Geistlichen Rates" in Baden-Baden hervorgeht, denn dieser wird am 12.4.1578 als "gewesner" Pfarrer von Durmersheim erwähnt.

In denselben Protokollen wird am 15.1.1580 Conrad Schelling als Pfarrer genannt, dieser erscheint auch im Bestandsbrief des Ruckerhofes von 1584, demzufolge er in Durmersheim "eigen Gut" (also Privatbesitz im Unterschied vom Kirchengut) besaß.

 

Aus dem späten 16. Jahrhundert sind dann noch zwei weitere Pfarrer namentlich bekannt. Ein Martin Seitz wurde am 1.6.1591 dem Bischof zur Einsetzung als Pfarrer präsentiert, scheint es aber mit sei-nen priesterlichen Pflichten nicht sehr ernst genommen zu haben. Jedenfalls gibt es in den Protokollen des markgräflichen Hofrates vom Februar 1592 Berichte über den unsittlichen Lebenswandel des Dur-mersheimer Pfarrers. Seitz wurde daraufhin entlassen und schon am 16. Mai 1592 ein gewisser Mar-quart Reyhing als neuer Pfarrer für Durmersheim präsentiert.

 

Als 1594 der evangelische Markgraf von Baden-Durlach die Herrschaft in Baden-Baden übernahm, be-kamen viele Gemeinden erneut einen evangelischen Pfarrer, so auch Durmersheim. Hier wird in den Jahren 1611 bis 1622 Heinrich Tholde als Pfarrer genannt. 1623 wurde er wegen Rekatholisierung des Landes entlassen, den Namen seines katholischen Nachfolgers erfahren wir leider nicht.

 

Als in den Jahren 1632-34 die Schweden die Markgrafschaft Baden besetzten, wurden nun die katho-lischen Pfarrer wieder entlassen und an ihrer Stelle Protestanten eingesetzt, in Durmersheim Friedrich Bürcklin, vorher Pfarrer in Weisweil. Nach der Niederlage der Protestanten in der Schlacht von Nörd-lingen 1634 und der Rückkehr des katholischen Markgrafen Wilhelm wurde er 1635 entlassen.

Pfarrer Bürcklin war danach einige Zeit als Feldprediger tätig und starb als Pfarrer von Bahlingen. Er war der letzte evangelische Pfarrer in Durmersheim, bevor im 19. Jahrhundert eine eigene evange-lische Gemeinde entstand.

 

Das Einkommen des Pfarrers bestand damals vor allem aus einem Teil des Zehnten und war damit abhängig von der Gesamtmenge der jeweiligen Ernte. Da durch den langwierigen Krieg die Bevöl-kerung stark dezimiert war, ging natürlich auch der Ertrag der Ernte und folglich der abgelieferte Zehnte zurück. Im Jahr 1636 war dieser Rückgang bereits so stark, dass ein Pfarrer davon nicht leben konnte. Das dem Pfarrer zustehende Drittel des Zehnten betrug "wegen des geringen Anbliemens" (der geringen Aussaat) nur noch 6 Malter Frucht (1683: 25 Malter).

 

Die Pfarrei Durmersheim war damals - nach der Entlassung des evangelischen Pfarrers Bürcklin - noch nicht wieder besetzt. Angesichts des geringen Einkommens hatte der vom Markgrafen in Aussicht genommene katholische Priester erklärt, "daß er solcher Pfarr umb so geringe Competenz (=Einkom-men) nit begehre sondern sich anderwertig fürsehen wolle". Daraufhin bat der Mörscher Pfarrer Jakob Witmayer um eine Verschmelzung der Pfarreien Durmersheim und Mörsch, "weil niehmal ein Priester Ehrlich mit der Einen sich betragen khan".

Dieser Bitte wurde entsprochen und die Pfarreien Mörsch und Durmersheim waren für einige Jahre vereinigt.

 

Aus den weiteren Kriegsjahren sind, wie unschwer zu verstehen ist, keine weiteren Urkunden oder Akten über die Pfarrei Durmersheim erhalten. Erst nach Kriegsende hören wir wieder von ihr. Pfarrer war damals Hubertus Sartorius, der aus Lüttich stammte. Da die Markgrafschaft Baden-Baden bis 1622 protestantisch war, musste Markgraf Wilhelm bei der Wiedereinführung der katholischen Konfession offenbar auf auswärtige Seelsorger zurückgreifen.

 

Die Fusion der Pfarreien Mörsch und Durmersheim war inzwischen wieder aufgegeben worden (Mörsch bildete jetzt mit Forchheim und Daxlanden eine Pfarrei), stattdessen war die Pfarrei Durmersheim mit Bietigheim vereinigt, wie das 1662 von Pfarrer Sartorius angelegte Bietigheimer Taufbuch beweist (in Durmersheim legte Pfarrer Sartorius im Oktober 1660 das älteste, heute noch erhaltene Tauf- und Ehebuch an). Sartorius starb im hohen Alter in Bietigheim und ist auch dort begraben.

 

Nach seinem Tod bewarben sich 1672 beim Patronatsherrn, d.h. dem Markgrafen, Heinrich Horneck von Sinzheim und Johann Jakob Hauser von Baden-Baden um die vakante Pfarrei. Horneck führte als Empfehlung in seinem Bewerbungsgesuch an, dass er "bei vergangener schwedischer Einquartierung der letzte unter den anderen Geistlichen von seinen Pfarrkindern ausgewichen, auch als der Erste sich wiederum eingestellt habe". Trotzdem wurde seine Bewerbung "abgeschlagen". Der andere bewarb sich in tadellosem Latein und erhielt die Stelle, vielleicht deshalb, weil er schon 3 Jahre im Kollegialstift Baden-Baden war.

Wohl aus gesundheitlichen Gründen ("weilen er gestolperet") gab Pfarrer Hauser die Pfarrei Durmers-heim aber schon 1675 wieder auf. Es bewarb sich der in Baden-Baden gebürtige Franz Wiech, welcher sie auch erhielt und gut 50 Jahre lang in Durmersheim sein Amt versah.

 

Das in seiner Bewerbung gemachte Versprechen, sich so zu verhalten, "dass weder von meinen mir anvertrauten Pfarrkindern, noch andern einige unbefugte Klagen vorkommen sollten", hat er ehrlich und redlich gehalten. Wie seine Vorgänger Sartorius und Hauser war auch Franz Wiech als Pfarrer für Durmersheim und auch für Bietigheim zuständig. Von 1690 bis 1701 versah er auch noch die Pfarrei Ötigheim - ganz offenbar ein sehr rühriger und tüchtiger Seelsorger.

In späteren Jahren (nach Ausweis der Kirchenbücher seit 1718) hatte er als Hilfe den Kaplan Johann Adam Eckstein, der später Pfarrer von Au und Dekan des Landkapitels Ettlingen wurde und ein großer Förderer der Bickesheimer Wallfahrt war. Dieser schreibt 1725, dass der Pfarrer inzwischen 77 Jahre alt sei und seit einem halben Jahr keine heilige Messe mehr allein lesen könne, sondern von ihm ge-führt werden müsse. Wiech wurde daraufhin offenbar seiner Pflichten als Pfarrer entbunden (er starb am 13.7.1727) und am 31.12.1725 kam Georg Leonhard Grau als "Apostolischer Missionar und Pfarr-verweser" nach Durmersheim und Bietigheim.

 

Inzwischen war die Einwohnerzahl wieder hinreichend gestiegen, so dass eine Gemeinde allein einen Pfarrer ernähren konnte, und so beschloss man die Pfarreien Durmersheim und Bietigheim wieder zu trennen. Markgräfin Augusta Sibylla besaß damals das Patronatsrecht und präsentierte kraft dieses Rechts den von ihr ausgewählten Kandidaten Valentin Kraus dem Bischof, der ihn formell als Pfarrer einsetzte.

 

Das Präsentationsschreiben ist erhalten und lautet:

"Wir Francisca Sibylla Augusta von Gottes Gnaden, Markgräfin von Baaden und Hochberg, wittib, denominierte Oberlands Regentin und Vormünderin, gebohrene Hertzogin zu Sachsen, Engern undt Westfalen usw. Entbiethen dem wohl Erwürdigen - wohlgebohrenen Herrn Joanni Adolpho Freyherrn von Ballesheim, des Hohen Dhombstiffts Speyer, Capitularen und in spiritualibus Vicario generali unsern gnädigsten gruß und geben ihm dabey zu vernehmen, wie dass wir zu der auf des Herrn Cardinals und Bischoffen zu Speyer Eminenz und Liebden als ordinarii gut befinden undt verlangen, von Bietigheim separierten Pfarrey Durmersheim unserm lieben andächtigen Johann Valentin Kraus bis hierher gewesenen Administoren zu Mörsch und Daxlanden krafft des uns zustehenden juris patro-natus dergestalt gnädigst ernennet undt praesentirt haben, dass er demjenigen, welcher hiernechst von dem patrono zur Bietigheimer Pfarrey denominiert werden wrid, dem alten Cammerer Wich lebenslang nothdürftiglich gemeinsam unterhalten zu helfen verbunden seyn sollte und wolle, praesentiren und ernennen ihn auch hiermit auff dieseshin bester Form und Maßen, an den Herrn General-Vicarium gnädigst gesinnendt besagten Johann Valentin Kraus zu obermelten Pfarrei Dur-mersheim zu admittieren undt ihme die gewöhnliche commendam zu erteilen.

Geben Rastatt, den 26. martii 1726

Augusta M. Baaden".

 

Pfarrer Kraus verdanken wir einen interessanten Einblick in die Lebensverhältnisse, wie sie für einen Dorfpfarrer damals üblich waren. Ebenso wie die Pfarreien Durmersheim und Bietigheim lange miteinander fusioniert waren, weil aufgrund der geringen Einwohnerzahl eine Pfarrei allein nicht ausreichte um den Lebensunterhalt des Pfarrers zu sichern, waren auch die Pfarreien Mörsch und Daxlanden vereinigt.

Im Jahr 1727 nun sollten diese beiden Pfarreien wieder getrennt werden und man musste feststellen, welches Einkommen nötig sei, um einen eigenen Pfarrer unterhalten zu können. Deswegen wurde der benachbarte Durmersheimer Pfarrer Kraus beauftragt, eine Aufstellung mit den üblichen Lebens-haltungskosten einzureichen. Er errechnete für einen Monat (Mai 1726) folgende Kosten für sich selbst:

Brot (aus dem Zehnten genommen, daher umsonst)

Fleisch (das Pfund à 5 kr.) 3 fl.

Butter (wöchentlich 2 Pfund) 1 fl. 34 kr.

Gewürz 30 kr.

Salz (wöchentlich ein Mäßlein à 4 kr.) 16 kr.

Fische (wöchentlich 3 Pfund) 1 fl. 30 kr.

Gemüse und Salat 32 kr.

Baumöl (monatlich 2 Pfund) 40 kr.

Eier 18 kr.

Käse (monatlich 4 Pfund à 10 kr.) 40 kr.

Lichter (Kerzen, wöchentlich 1 Pfund) 48 kr.

Daraus ergaben sich monatliche Lebenshaltungskosten von 9 fl. 21 kr.

 

Pfarrer Kraus starb bereits im Jahr 1730, ihm folgte Michael Kerpert aus Böhmen. Gegen ihn be-schwerte sich noch im selben Jahr die Gemeinde, dass er die hl. Messe "gar zu geschwind überhudle", überhaupt nur wenige Gottesdienste halte, dagegen aber viele Schulden mache. Die Vorwürfe schei-nen nicht unberechtigt gewesen zu sein, jedenfalls wurde Kerpert 1732 vom Bischof entlassen.

 

Markgräfin Augusta Sibylla beabsichtigte nun, die Pfarrei mit einem ihrer beiden Stipendiaten aus dem Priesterseminar in Bruchsal zu besetzen. Diese waren Groté und Jäger. Während ersterer die Pfarrei Mörsch erhielt und in der Geschichte des Ettlinger Landkapitels häufig genannt wird, wurde Wilhelm Jäger Pfarrer in Durmersheim.

 

Von Pfarrer Jäger haben wir einen Bericht aus dem Jahr 1739, demzufolge "Durmersheim ein Filial habe und sich nenne Würmersheim, in diesem ist weder Kirch noch Capell, wohnen auch in diesem Filial mehr nicht denn 18 Burger, aus Abgang der Kirchen und Kirchhofs werden alle und jede Kinder dieser Filial, so zu taufen, zur hl. Taufe, die Verstorbenen sowohl alte und junge zur Begräbnis auf Durmersheim getragen; wann aus dieser Filial ein copulation soll vollzogen werden, geschieht solche zu Durmersheim in der alleinigen allgemeinen Pfarrkirchen. Die in dieser Filiale auskommenden Kranken werden von Durmersheim aus versehen, wobei der Schulmeister zu thun wie bei den Versehungen in Durmersheim.

Processiones speciales ex voto promissas (=besondere, durch ein Gelübde versprochene Prozessionen) hat Durmersheim nach Jäger  zwei, die erste auf das Fest des hl. Antonius von Padua nach Bickesheim wegen allen auf dieses Fest auf dem Feld erschlagenen Früchten, die zweite wegen vor 90 Jahren ohngefehr so gesagter grassierenden Pest, durch welche die ganze Pfarrei, so zu sel-biger Zeit in etlich 9 Burger bestundt, bis auf 8 Burger verzehrt wurde. länger als ich Pfarrer allda, morgens frühe in der heiligen Adventszeit dreimal die sogenannte Rorate-Mess ... gehalten ... Nach verflossener heiliger Adventszeit wird der Abend vor dem hohen Fest Nativitatis Domini (=Weih-nachten) in allgeziemender Gebühr, wie nicht in allen Orten gebräuchlich, ein Krippen vom Schulmeister auferbaut, den Pfarrkindern dadurch anzudeuten, aus was unendlicher Lieb der ewige Sohn Gottes die menschliche Natur angenommen habe".

 

Auf Pfarrer Jäger folgte 1741 Anton Dilg, welcher zuvor Kaplan in Rust war. Über die sehr ärmlichen Umstände der Pfarrei Durmersheim in jener Zeit berichtete er 1746, "dass mehr nit als zwei Alben da sind, und diese in solchem Abgang, dass es bald unmöglich fallen will, einen Priester ehrlich, wie es sich gebührt, am Altar zu bekleiden. Sodann ermangeln hier Ministranten- und Chorröcke, sintemalen kein Fetzen dergleichen vorhanden und es, wie leicht zu erachten, vor der ganzen Welt ein Spott ist, dass die Kinder, welche ministrieren, in zwilchenen Kleidern unserem Herrn und Gott abwarten".

 

Auf Pfarrer Dilg folgte 1749 Pfarrer und Dekan Josef Trapp, der 37 Jahre lang Pfarrer in Durmersheim war und 1786 starb. Er war vorher Pfarrer in Weißenburg und entstammte einer recht begüterten Baden-Badener Familie, weshalb er mehrere großzügige Stiftungen machen konnte. Im Jahr 1781 stiftete er die "Erzbruderschaft vom allerheiligsten Altarssakrament" und schenkte der Kirche viele Paramente (Messge-wänder), einen silbernen Kelch und für die Kirchenmusik drei Waldhörner (die 1796 von französischen Truppen geraubt wurden). Ferner stiftete Pfarrer Trapp eine Frühmesse in der Pfarrkirche mit dem Auftrag, dass der Frühmesser an den Marienfesten in Bickesheim den Gottes-dienst übernehmen solle und 1000 Gulden als Schulfond, damit Kinder aus armen Familien kein Schulgeld mehr bezahlen mussten.

Außerdem hinterließ er bei seinem Tod eine Stiftung, deren Kapital zur Erweiterung der alten Kirche oder zu einem Kirchenneubau verwendet werden sollte.

 

Ihm folgte Pfarrer Johannes Evangelist Krafft 1787-1797; diesem Pfarrer und Dekan dann Johann Georg Becker 1797 - 1830. Unter seiner Amtszeit wurde die neue Pfarrkirche gebaut. In seiner Pfarrei war Becker freilich umstritten, die Gemeinde Durmersheim forderte vom Bischof sogar die Ablösung des Pfarrers, was 1831 durch Beckers Pensionierung geschah.

 

Der erste Pfarrer in der neuen Kirche war Andreas Kiefer, von 1836 bis 1842, ihm folgte als Pfarrver-weser J. B. Richter vom 11. November 1842 bis 14. Juli 1843. Am Tage vor der Firmung, die am 15. Juli 1843 stattfinden sollte, verließ er heimlich die Pfarrei und floh nach Amerika. Die Gründe sind aus den Akten nicht zu ersehen.

 

Definitiver Pfarrer wurde 1844 Matthäus Kleindienst, er starb 1858. Ihm folgte Pfarrer und Dekan Wil-helm Baden von 1862 bis 1868, diesem Pfarrer August Haunß von 1870 bis 1881; in seiner Amtszeit wurde die Inneneinrichtung der Pfarrkirche erneuert.

 

Der nächste Pfarrer in Durmersheim war Josef Schmiederer von 1883 bis 1891. Nach seinem Weggang versah von 1892 bis 1894 Pfarrverweser Gregor Schöllig die Seelsorge, er gründete 1892 den "Christ-lichen Mütter Verein", den Vorgängerverein der heutigen Frauengemeinschaft.

 

Auf Schöllig folgte Pfarrer Josef Zimmermann von 1894 bis 1904, diesem Pfarrer und Dekan Peter Johannes Markert von 1904 bis 1919. Dieser war ein recht tatkräftiger Pfarrer und ließ das Pfarrhaus umbauen und sowohl die Pfarrkirche als auch die Wallfahrtskirche Bickesheim restaurieren.

Sein Nachfolger war Pfarrer Ferdinand Josef Lehmann, von 1911 bis 1926. Unter ihm wurde die Filialkirche Würmersheim erbaut. Als nach Beendigung des Weltkrieges eine große Wohnungsnot herrschte und viele junge Familien kein Zuhause fanden, gründete Pfarrer Lehmann eine "Gemeinnützige Baugenossenschaft" und sorgte so für den Bau von mehr als 20 Häusern für je 2 Familien. In Anerkennung dieser großen sozialen Tätigkeit benannte die Gemeinde nach seinem Tod ihm zu Ehren eine Straße "Lehmann-Straße".

 

Nach Lehmanns Tod im Jahr 1926 wurde Franz Neumaier aus Waldprechtsweier Pfarrer in Durmers-heim.

 

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Abschließend können noch einige Angaben über den Ertrag der Pfarrpfründe in Durmersheim und da-mit auch über das Gehalt gemacht werden, das in jener Zeit den Geistlichen in Durmersheim zustand.

Von Pfarrer Becker ist im Anhang zum Kirchenbuch 1760-1800 folgendes Verzeichnis erhalten:

 

"Ertrag der Pfarrei Durmersheim. Ein jeweiliger Pfarrer zu Durmersheim hat nach bemerkte Einkünffte zu beziehen:

a) Ein Drittheil aller fallenden Zehenden sowohl in der ganzen Durmersheimer, als Würmersheimer Gemarkung.

b) Vier und Zwanzig Mltr (=Malter) Gilt (=Gült) Korn, und zehn Mltr. Gilt Haber, von dem Pfarrwittum Gut, welches mehrern Innwohner von hier in Erbbestand haben.

 

Von diesem Korn bezieht der hiesige Schulmeister sechs Mltr. und die Langhaus Verrechnung (für den Unterhalt des Langhauses der Kirche) ein Mltr.

c) von oben bezeichneten anniversarien jede zu 30 Kreuzer

d) In holz von der Gemeinde eine doppelte Bürgergab zu 8 Klaffter wenigstens

e) ein Kraut Stück bei den übrigen Krautländern, zwischen hier und Würmersheim

f) Alle Stolgebühren wie Sie im Bistum üblich sind

g) zwei Viertel Garten hinter der Scheuer."

 

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Naturalabgaben in Geldleistungen umgewandelt. Im Jahr 1863 betrug das Jahreseinkommen des Pfarrers 1.600 fl.314, davon musste der Pfarrer allerdings auch seinen Vikar und die Haushälterin bezahlen. Im Vergleich zu anderen Pfarreien war die Stelle in Durmersheim relativ gut dotiert, der Pfarrer von Bietigheim musste mit 1160 fl., der von Au mit 1450 fl. zufrieden sein, in Malsch ergab die Pfründe hingegen 1750 fl.

Im Jahr 1910 belief sich der Ertrag der Pfarrpfründe auf jährlich 2919 Goldmark (zum Vergleich: Bie-tigheim 1952, Au 1862, Malsch 3397 Goldmark). Seit der Abschaffung des Pfründewesens durch die Kirchensteuer im 20. Jahrhundert werden die Pfarrer nach einheitlichen Gehaltsstufen bezahlt, so dass es keine reichen oder armen Pfarrstellen mehr gibt.